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Autor: Lars Blume

Ein Friedenswald wächst in Wattenscheid: Gemeinschaft pflanzt, was bleibt

April – Schöpfung

Tiny Forest · Friedensdekade · Miyawaki · Wattenscheid · Bochum · Gemeinschaft · Schöpfung

Eine Geschichte, die erfunden wurde und doch stimmt

Es gibt eine Geschichte von einem Mann, der allein beginnt, Bäume zu pflanzen. Still, geduldig, Jahr für Jahr, ohne zu wissen, ob er die Wirkung seines Tuns je erleben wird. Jean Giono hat sie 1953 geschrieben, als kurze Erzählung, als bewusste Fiktion. Und doch trifft sie etwas Wahres: dass aus kleinen, unscheinbaren Anfängen etwas entstehen kann, das weit über einen einzelnen Menschen hinausreicht. Eine ganz eigene Interpretation der Geschichte von Jean Giono finden Sie im neuen Mitgliederbereich:

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In Wattenscheid ist es kein Einzelner.

Wenn der Regen entscheidet: Die verschobene Pflanzung

Eigentlich sollte der Wald schon längst stehen. Während der FriedensDekade 2025 im November war alles vorbereitet: Menschen, Pflanzen, die Idee. Dann kam der Regen. Der Boden wurde zu nass, zu schwer, unzugänglich. Die Pflanzung musste verschoben werden. Was sich zunächst wie ein Scheitern anfühlte, gehört heute zur Geschichte dieses Ortes.

Frühjahr 2026: Der Tiny Forest entsteht

Denn im März war es soweit. In Wattenscheid entstand ein Friedenswald, ein sogenannter Tiny Forest, dicht bepflanzt nach der japanischen Miyawaki-Methode, mitten im Stadtteil. Das Flowful Kollektiv begleitete die Pflanzung: ein Team, das Wissen und Erlebnis verbindet und Gruppendynamik in den Vordergrund stellt und so seit Jahren solche Orte mit und für Gemeinden und Gemeinschaften entwickelt.

Und wieder war der Regen da. Viel Regen. Nasse Erde, rutschige Wege, Stellen der Fläche, die sich unter den Füßen aufgaben. Keine einfachen Bedingungen. Und doch: Es wurde gepflanzt. Rund 100 Schülerinnen des Märkischen Gymnasiums und der Gertrudisschule kamen am Freitag, mehr als 150 Bürgerinnen am Samstag. Sie gruben, setzten, reichten sich Pflanzen weiter. Keiner ist gegangen.

Es war kein perfekter Tag. Aber vielleicht gerade deshalb ein besonders ehrlicher.

Denn Frieden wächst nicht unter Idealbedingungen. Frieden wächst, wenn Menschen trotzdem kommen. Wenn sie bleiben. Wenn sie gemeinsam ins Tun kommen, auch wenn der Boden nachgibt und die Jacke durchnässt ist.

Was aufhält, trägt am Ende bei

Der Regen, der die Pflanzung im November unmöglich gemacht hatte, half nun den jungen Bäumen beim Anwachsen. Die Wurzeln fanden Halt, die Erde gab nach, das Leben bekam Raum. Manchmal braucht es genau diese Wendung: dass das, was uns aufhält, am Ende zum Wachstum beiträgt.

Ein Friedenswald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er ist ein Ort, an dem sichtbar wird, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung teilen, wenn sie nicht nur über Frieden sprechen, sondern ihn praktisch werden lassen. Jeder Spatenstich, jede gesetzte Pflanze ist ein konkretes Zeichen.

Frieden zeigt sich auch darin, wie wir füreinander sorgen

Dieser Friedenswald wurde nicht nur gepflanzt. Er wurde getragen.

Der Eine-Welt-Laden Wattenscheid sorgte mit fairen Getränken, warmer Suppe, Kaffee und Brotzeit dafür, dass an diesem nassen, kalten Tag eine Atmosphäre entstehen konnte, in der Gemeinschaft wächst. Sie haben nicht gegraben, und doch wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Tag das wurde, was er war.

Nicht allein, sondern gemeinsam: Friedensarbeit vor Ort

Bei Giono ist es ein Einzelner, der beginnt. Still, ausdauernd, unbeirrt. In Wattenscheid sind es viele, aus dem Stadtteil, für den Stadtteil. Ein Friedenswald wächst nicht über Nacht. Aber er wächst.

Wo entsteht der nächste Friedenswald zur FriedensDekade 2026?


Mehr zur Pflanzaktion in Wattenscheid:

Tageschau-Beitrag zur Pflanzung des Friedenswaldes

Animationsfilm „Der Mann, der Bäume pflanzte“ (Film nach Jean Giono)

In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie unsere interpretation der Kurzgeschichte „Der Mann, der Bäume pflanzt“ nach Jean Giono als Druckversion mit einer Einladung zur Reflexion.

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Petra Kelly – Die grüne Rebellin des Friedens

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„Ich bin keine Traumtänzerin, ich bin eine politische Realistin“

sagte Petra Kelly (Deutschland/USA, 1947-1992). Und doch träumte sie von einer Welt ohne Atomwaffen, ohne Krieg, ohne Umweltzerstörung. Diese Verbindung von Realismus und Vision machte sie zur Ikone der Grünen und der Friedensbewegung.

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In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Die ersten drei Frauen, Bertha von Suttner (Österreich-Ungarn, 1843-1914), Sophie Scholl (Deutschland, 1921-1943) und Petra Kelly, stehen für Aufbruch: Haltung zeigen, Gewissen bewahren, Rüstung kritisieren. Petra Kelly steht für eine Generation, die in den 1980er Jahren gegen die Logik nuklearer Abschreckung aufbegehrte.


Den Aufkleber mit dem Motto Klassiker der FriedensDekade „Frieden schaffen ohne Waffen“ bei uns im Webshop

2026 erleben wir erneut eine Zeit massiver Aufrüstung. Hundert Milliarden Sonderschulden für Rüstung, die Wehrpflicht-Debatte. Während in der Ukraine und Palästina Menschen sterben, während Spannungen um Iran, Venezuela und Grönland eskalieren, lautet die Antwort überall: mehr Waffen. Petra Kelly würde heute dieselben Fragen stellen wie damals.

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Wenn persönlicher Schmerz politisch wird

Petra Karin Kelly wurde 1947 in Günzburg geboren. Die Familie zog in die USA, wo ihre Mutter einen amerikanischen Offizier heiratete. Mit zehn Jahren erlebte Petra etwas Prägendes: Ihre jüngere Halbschwester Grace erkrankte an Krebs und starb 1970 mit 13 Jahren. Der Verdacht, dass Atomwaffentests und Umweltverschmutzung die Krankheit verursacht haben könnten, ließ Petra nie mehr los.

Aus persönlichem Schmerz wurde politische Mission: Kampf gegen Atomwaffen, gegen Umweltzerstörung, gegen ein System, das Profite über Leben stellt. Diese Verbindung von Persönlichem und Politischem machte Petras Engagement so authentisch und radikal.

Der Bruch und die Gründung einer Bewegung

Als die SPD unter Helmut Schmidt (Deutschland, 1918-2015) 1979 dem NATO-Doppelbeschluss zustimmte, brach Petra mit der Partei. Die Stationierung von Pershing-II-Raketen in Westdeutschland war für sie keine Friedenssicherung, sondern Wahnsinn. Dieser Bruch war eine Gewissensentscheidung.

1979 war sie Mitbegründerin der Grünen. 1983 zogen die Grünen erstmals in den Bundestag ein. Petra trug Blumen statt Aktenkoffer, sprach von Liebe statt Machtpolitik. Die etablierte Politik reagierte mit Spott. Ihre Hände zitterten manchmal vor wichtigen Reden. Aber sie sprach trotzdem. Das ist Mut: nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Handeln trotz der Angst.

Rüstungskritik als Überlebensfrage

Petras Argumente gegen Aufrüstung waren radikal, aber nicht weltfremd. Sie organisierte Menschenketten gegen Atomraketen, Sitzblockaden vor Militärstützpunkten. 1983 in Prag forderte sie Abrüstung in Ost und West. Sie kritisierte sowjetische SS-20-Raketen genauso wie westliche Pershing II. Das brachte ihr Feinde auf beiden Seiten ein. Petra stand zwischen allen Stühlen. Und blieb bei ihrer Überzeugung: Frieden ist unteilbar.

Sie argumentierte ökonomisch: Jede Milliarde für Raketen fehlt bei Schulen und Krankenhäusern. Sie argumentierte strategisch: Abschreckung führt zur Eskalation, nicht zur Sicherheit. Diese Argumente klingen 2026 erschreckend aktuell.

Innere Quellen des Widerstands

Petra Kelly war tief geprägt von der Bergpredigt, von Gandhi (Indien, 1869-1948) und Martin Luther King (USA, 1929-1968). Sie schrieb: „Wir müssen lernen, die Waffen des Geistes zu benutzen: Liebe, Mut, Hoffnung, Gewaltfreiheit.“

Diese innere Überzeugung machte sie verwundbar. Sie litt unter Depressionen, fühlte sich oft überfordert. Der Druck war enorm: Tausende erwarteten, dass sie die Ikone blieb. Aber Petra war auch nur ein Mensch mit Ängsten, Zweifeln, Erschöpfung. Ihr Mut zeigte sich gerade darin, dass sie trotz dieser Ängste weitermachte.

Am 1. Oktober 1992 wurden Petra Kelly und Gert Bastian (Deutschland, 1923-1992) tot in ihrer Bonner Wohnung gefunden. Petra war 44 Jahre alt.

Was Petra uns heute sagt

Rüstungskritik ist Friedensarbeit. Petra würde heute gegen die Aufrüstungsspirale protestieren. Ihre Frage bleibt aktuell: Macht mehr Rüstung uns sicherer oder befeuert sie nur die Gewalt?

Persönliches und Politisches gehören zusammen. Petras Engagement erwuchs aus persönlichem Schmerz. Diese Verbindung macht Friedensarbeit authentisch.

Mut bedeutet: trotz Angst handeln. Petra hatte Depressionen, Selbstzweifel, Erschöpfung. Sie machte trotzdem weiter.

Petra Kelly hat eine Generation politisiert. Sie hat gezeigt, dass Widerstand möglich ist. Sie hat den Diskurs verändert. Das ist die Wahrheit über Friedensarbeit: Sie zeigt Wirkung, auch wenn der Erfolg nicht sofort sichtbar ist.


Couragiert widerständig, wie Petra Kelly. Für eine Welt, in der Rüstung nicht die Antwort ist.


Fragen zur Reflexion:

Petra Kelly brach mit der SPD, als diese aufrüstete. Wann müsste für Sie Loyalität enden, weil das Gewissen etwas anderes fordert?

Petra argumentierte: Jede Milliarde für Waffen fehlt bei Schulen. Wie bewerten Sie die aktuellen Rüstungsausgaben?

Petra litt unter Depressionen, kämpfte aber trotzdem weiter. Was hilft Ihnen, auch in Momenten des Zweifels festzuhalten?


Gebet: Gott des Friedens, danke für Menschen wie Petra Kelly, die trotz Zweifeln für ihre Überzeugung eintraten. Gib uns Mut zur Rüstungskritik, Kraft zum Widerstand. Lass uns Friedensstifter sein.
Amen.


Zum Weiterlesen:

  • Petra Kelly: „Um Hoffnung kämpfen“ (1983)
  • Sara Parkin: „The Life and Death of Petra Kelly“ (1994)
  • Petra-Kelly-Stiftung, München

Widerständig bleiben, wenn der Weg lang ist: Petra Kelly stand für eine Friedenspolitik, die sich nicht an Mehrheiten orientierte, sondern am Gewissen. Ihr Leben zeigt, wie couragiertes Handeln in demokratischen Konflikten aussehen kann und warum Frieden Ausdauer braucht. Wie solche Alternativen zur militärischen Logik heute diskutiert werden, zeigt der Beitrag „Debatte um Soziale Verteidigung – Wehrhaft ohne Waffen“ im Materialheft zur FriedensDekade 2025 auf Seite 22. Sichern Sie sich diese praxisnahen Entwürfe im Materialheft 2025 zum Aktionspreis oder Bestellen Sie schon heute das Gesamtpaket im Abo für die Erstlieferung im Juni diesen Jahres.

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Mut vor der Rosenstraße – Als Liebe stärker war als Terror

Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 2

Ein Blogartikel der ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“

Im Februar 1943 herrschte in Berlin der totale Krieg. Die Maschinerie des NS-Regimes lief auf Hochtouren, Deportationszüge rollten Tag für Tag in Richtung Osten. Widerstand schien aussichtslos, jede Kritam lebensgefährlich. Doch in der Rosenstraße, einer unscheinbaren Straße im Herzen Berlins, geschah etwas Außergewöhnliches: Etwa 2.000 Frauen versammelten sich vor einem Verwaltungsgebäude, in dem ihre jüdischen Ehemänner festgehalten wurden. Sie kamen wieder und wieder, trotz Drohungen, trotz vorgehaltener Gewehre, trotz der Angst vor Verhaftung und Tod.

Die Fabrik-Aktion: Wenn Menschen zu Nummern werden

Am 27. Februar 1943 begann die sogenannte „Fabrik-Aktion“ – die letzte große Verhaftungswelle von Jüdinnen und Juden in Berlin. Die Gestapo verhaftete über 10.000 Menschen an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Wohnungen, auf offener Straße. Etwa 2.000 der Verhafteten waren Männer in sogenannten „Mischehen“ mit nichtjüdischen Frauen. Diese Männer wurden in der Rosenstraße 2-4 interniert, einem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde.

Die Frauen dieser Männer wussten, was Deportation bedeutete. Sie kannten die Gerüchte aus dem Osten, das Unfassbare, das man sich nicht zu Ende denken wagte. Und so taten sie das Unmögliche: Sie gingen hin. Stellten sich auf die Straße. Und blieben.

Der Friedenskompass der Friedensdekade

Der Protest: Als Präsenz zur Macht wurde

Was genau Charlotte Israel, Elsa Holzer und Grete Moser bewegte, vor das Gebäude zu gehen, wissen wir nicht. War es Verzweiflung? Hoffnung? Die schiere Unmöglichkeit, zu Hause zu bleiben? Sie kamen und sie waren nicht allein.

Aus einzelnen Frauen wurde eine Menge. Aus einem Tag wurde eine Woche. Die Frauen riefen nach ihren Männern: „Gebt uns unsere Männer wieder!“ Immer wieder dieser Ruf durch die eiskalten Februartage.

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) – diese Verheißung Jesu bekam in der Rosenstraße eine politische Dimension. Die Versammlung der Wenigen wurde zur Macht durch Präsenz, durch das sture Beharren auf dem Menschlichen in einer Zeit, die das Menschliche systematisch auslöschte.

Die Drohung: Mut trotz Todesangst

Die SS rückte an. Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht. „Räumen Sie die Straße, oder wir schießen!“

Die Frauen wichen zurück. Einige gingen nach Hause. Aber sie kamen wieder. Am nächsten Tag. Und am übernächsten. Ihre Angst war real, ihre Verwundbarkeit offensichtlich. Aber stärker als die Angst war die Liebe zu ihren Männern, die Treue zueinander, ein letzter Rest Glauben daran, dass Menschlichkeit nicht ganz ausgelöscht werden kann.

In biblischer Sprache: Sie zogen aus wie David gegen Goliath – unbewaffnet gegen eine militarisierte Todesmaschinerie. Aber ihre Waffe war die Gewaltfreiheit selbst, jene paradoxe Macht, die in ihrer Schwäche stark ist (2 Kor 12,10).

Der Erfolg: Wenn das Undenkbare geschieht

Am 6. März 1943, nach einer Woche Protest, geschah das Undenkbare: Die Männer wurden freigelassen. Nicht alle sofort, aber sie kamen frei. Die meisten von ihnen überlebten das Kriegsende.

War es der Protest allein? Historiker streiten darüber. Manche argumentieren, das Regime habe bereits zuvor gezögert. Andere verweisen auf die Angst der Machthaber vor Unruhen in der bombardierten Hauptstadt.

Doch diese Debatte verkennt das Wesentliche: Die Frauen wussten nicht, ob ihr Protest erfolgreich sein würde. Sie kamen trotzdem. Sie handelten im Vertrauen, dass ihr Tun richtig war, ohne Garantie, ohne Sicherheit. Das ist das Wesen prophetischen Handelns: aufstehen, weil es geboten ist, nicht weil der Sieg sicher ist.

Parallelen zu heute: Zivilcourage in Zeiten der Gewalt

2026 leben wir in einer Welt, in der wieder Panzer rollen, in der Autokraten ihre Macht zementieren, in der Waffenexporte steigen und Diplomatie als Schwäche gilt. Die Rosenstraße erzählt eine andere Geschichte von Sicherheit, von der Macht der Zivilgesellschaft, der Kraft gewaltfreien Widerstands, der Bedeutung öffentlicher Präsenz.

Sie erinnert uns: Autoritäre Systeme sind verwundbarer, als sie erscheinen, gerade wenn Menschen ihre Angst überwinden und zusammenstehen.

Couragiert widerständig: Was wir lernen können

Das Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade 2026 „couragiert widerständig“ ist keine romantische Phrase. Die Frauen der Rosenstraße zeigen uns, was diese Haltung bedeutet:

Couragiert: nicht furchtlos, sondern trotz der Furcht handelnd. Mut ist die Entscheidung, das Richtige zu tun, obwohl man Angst hat.

Widerständig: nicht aus Opposition um ihrer selbst willen, sondern aus Treue zur Menschenwürde. Widerstand beginnt dort, wo Unrecht System wird.

Öffentlich: nicht im stillen Kämmerlein, sondern sichtbar, vernehmbar. Öffentlichkeit ist Schutz und Zeugnis zugleich.

Beharrlich: nicht ein Tag Empörung, sondern das geduldige Aushalten, das Wiederkommen, das Nicht-Aufgeben.

Gewaltfrei: weil der Weg die Botschaft ist und das Mittel das Ziel prägt.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026

Eine letzter Gedanke

Die Geschichte der Rosenstraße ist keine Erfolgsgarantie. Sie ist kein Beweis dafür, dass Zivilcourage immer siegt. Tausende andere protestierten nicht und ihre Angehörigen wurden ermordet. Millionen gingen in den Tod, weil zu wenige aufstanden, zu viele schwiegen.

Aber die Rosenstraße ist ein Zeichen. Ein Friedenszeugnis. Eine Erinnerung daran, dass Menschen nicht machtlos sind, auch nicht unter Diktaturen. Dass das vermeintlich Unmögliche möglich werden kann. Dass Liebe stärker sein kann als Terror.

Die Frauen der Rosenstraße haben nicht die Welt gerettet. Aber sie haben ihre Männer gerettet. Sie haben gezeigt, dass es Widerstand gab, auch im dunkelsten Deutschland. Sie haben ein Licht angezündet, das bis heute leuchtet.

Das ist das Wesen von Friedenszeugen: Sie verändern vielleicht nicht alles. Aber sie verändern etwas. Sie brechen das Schweigen. Sie durchbrechen die Logik der Gewalt. Sie werden selbst zur Botschaft, ein lebendiges Zeichen dafür, dass eine andere Welt möglich ist.

In der Rosenstraße steht heute eine Gedenkstätte. Ein Ort, der fragt: Was würdest du tun? Wofür würdest du aufstehen? Wen würdest du nicht aufgeben?

Couragiert widerständig das ist keine historische Kategorie. Das ist eine Lebenshaltung. Für heute. Für morgen. Für uns alle.

Europäische Friedensarbeit im Blick: Church & Peace Rundbrief 1/2026

Von Georgien bis Serbien, von Wehrpflicht-Debatten bis zur zivilen Verteidigung: Unser Mitglied Church & Peace berichtet aus einem bewegten Europa

Während in Deutschland über Wehrpflicht und Aufrüstung diskutiert wird, protestieren Menschen in Serbien seit über einem Jahr gewaltfrei gegen Korruption, stehen Georgier*innen für ihren EU-Beitritt ein und ringen Friedensaktive europaweit um Räume für zivilen Widerstand. Der aktuelle Rundbrief 1/2026 von Church & Peace, unserem Mitglied im Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade, gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Vielfalt europäischer Friedensarbeit. Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen:

Gewaltfreier Widerstand in Serbien und Georgien

Marija Parnicki und Marijana Ajzenkol berichten von den anhaltenden Protesten in Serbien: „In Serbien ereignet sich seit einem Jahr der größte gewaltfreie Widerstand in Europa.“ Hunderte wurden verprügelt und verhaftet – doch der Widerstand bricht nicht. Auch in Georgien gehen seit Oktober 2024 Tausende auf die Straße, gegen manipulierte Wahlen und autoritären Kurswechsel. Mikheil Elizbarashvili schildert, wie Protestierende trotz Tränengas und Wasserwerfern nicht aufgeben.

„Stop ReArm Europe“ – Ein anderer Sicherheitsbegriff

Michel Monod aus der Schweiz plädiert für die wachsende Bewegung „Stop ReArm Europe“: „Wir brauchen keine weiteren Waffen … Was wir brauchen, ist ein völlig anderer Plan: echte, soziale, ökologische und gemeinsame Sicherheit für Europa und für die Welt.“ Er erinnert an erfolgreiche Beispiele zivilen Widerstands – von Gandhi über die Berliner Mauer bis zu den gewaltfreien Befreiungen in der DDR, Tschechien und Litauen.

Kroatien: „Welche Würde verteidigen wir?“

Ana Raffai berichtet aus Kroatien von einer Gesellschaft, in der nationalistische Gewalt zunimmt. Gleichzeitig gibt es hoffnungstragende Haltestellen: Die Konferenz „Gläubige für den Frieden“ in Omiš versammelte 60 Teilnehmende aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien. „Die Vorträge waren gut, aber das Beste waren die Gespräche in Kleingruppen, am Esstisch“, beschreibt eine Teilnehmerin. Dialog als Werkzeug der Mutigen.

Niederlande: Wenn links rechts wird

Geke van Vliet analysiert die politische Entwicklung in den Niederlanden: Nach den Parlamentswahlen 2025 ist die Linke kleiner denn je, während sich rechte Kräfte neu sortiert haben. Ihre Diagnose: „Von einer Wende kann hier keine Rede sein“ – eher eine kontinuierliche Verschiebung nach rechts.

Vielfalt und Vernetzung

Der Rundbrief stellt auch den neuen Vorstand vor, berichtet von der Europäischen Konferenz in Herrnhut unter dem Motto „Du lass dich nicht verhärten“ und gibt Einblicke in die Arbeit von Church & Peace in verschiedenen europäischen Ländern. Die scheidende Generalsekretärin Juliane Prüfert verabschiedet sich mit den Worten: „Ihr schafft eine Gegen-Gegenwart, eine Realität, die zeigt, wie Sicherheit durch Vertrauen und Mut entsteht.“

Friedensarbeit kennt keine Grenzen

Der Rundbrief macht deutlich: Friedensarbeit ist europäisch, vielfältig und konkret. Sie findet in Gesprächen am Küchentisch statt, in Workshops zur gewaltfreien Kommunikation, in mutigen Protesten auf den Straßen und in der geduldigen Begleitung von Kriegsdienstverweigerern.

Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen

 

Über Church & Peace:
Church & Peace ist ein europäisches ökumenisches Netzwerk von Friedenskirchen, friedenskirchlich orientierten Gemeinden, Kommunitäten und Friedensdiensten. Als Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade verbindet es friedensbewegte Menschen quer durch Europa.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 2: Harte Zeiten für Friedensarbeit

Warum wir jetzt Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Mut brauchen

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

 

Bei der letzten Vorstandssitzung der AGDF haben wir uns intensiv mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt und in Deutschland befasst. Abgesehen von einigen Lichtblicken sind es harte Zeiten für zivilgesellschaftliches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden weltweit und sie könnten noch härter werden. Was wir dort besprochen haben, betrifft nicht nur AGDF-Mitglieder, sondern die gesamte deutsche Friedenslandschaft, auch die Ökumenische FriedensDekade.

Wenn treue Partner wegbrechen

Die EKD-Friedensdenkschrift hinterlässt den Eindruck, als ob die Friedensarbeit kaum gesehen und nicht wertgeschätzt wird. Sind wir dabei, einen „treuen Partner“ und Unterstützer zu verlieren und angesichts notwendiger Einsparungen auch dessen finanzielle Förderung?

Das betrifft nicht nur einzelne Organisationen. Es betrifft alle, die in Deutschland für Frieden arbeiten: Gemeinden, die Friedensgebete feiern. Friedensdienste, die in Konfliktregionen vermitteln. Bildungsträger, die gewaltfreie Kommunikation lehren. Die gesamte Infrastruktur ziviler Konfliktbearbeitung steht unter Druck.

Die Arbeit geht weiter – in der Defensive

Trotz der immensen Herausforderungen gibt es unverändert eine kontinuierliche, langfristig angelegte, professionelle und insgesamt erfolgreiche Arbeit der AGDF-Mitglieder und anderer Friedensorganisationen. Sie ist allerdings in der Defensive, muss sich um den Erhalt von Finanzen oder neue Quellen kümmern, Resilienz und Schutz vor Angriffen verstärken, mit massiver Unsicherheit umgehen.

Was das konkret bedeutet? Friedensfachkräfte werden aus Projekten abgezogen. Bildungsprogramme müssen reduziert werden. Gemeinden bekommen weniger Material und Unterstützung. Die Expertise von Jahrzehnten droht verloren zu gehen – genau dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Was jetzt zu tun ist

Insofern stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Wie können wir die Friedensarbeit und ihren Wert stärker in die (kirchliche) Öffentlichkeit bringen und Entscheidungsträger*innen überzeugen, für sie weiterhin finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Wie können die Akteure der Friedensarbeit gestärkt und ermutigt werden, wie gemeinsam Perspektiven entwickeln?

Denn sie werden gebraucht, damit Konflikte konstruktiv bearbeitet, gewalttätige Auseinandersetzungen deeskaliert, Schwache empowert, Versöhnungsprozesse erfolgreich aufgesetzt werden und der Einfluss autoritärer Kräfte zurückgedrängt wird.

Es sind harte Zeiten für Friedensarbeit in Deutschland. Aber genau deshalb braucht es jetzt Menschen, die couragiert widerständig daran festhalten: Frieden ist möglich. Frieden braucht professionelle Arbeit. Und Frieden braucht Unterstützung.


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

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