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Autor: Thomas Oelerich

ERZÄHL MIR VOM FRIEDEN (von Jan Gildemeister, Bonn)

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2024

Ich kann es bald nicht mehr hören!“. So reagieren viele in meinem Umfeld auf scheinbar nicht enden wollende Berichte über Kriege und Krisen. Fast täglich führen uns Medien vor Augen, dass Gewalt offenbar immer noch für viele Staatenlenker*innen das erste Mittel der Wahl zu sein scheint, um ihre Macht zu sichern und ihre Ziele durchzusetzen. Hinzu kommt die Gewalt von Terrorist*innen, von Warlords, Drogenbanden und sonstigen kriminellen Gruppen. An Waffen mangelt es nicht: Mit Rüstungsexporten lässt sich sehr viel Geld verdienen, da werden gerne restriktive Regelungen ausgehöhlt oder umgangen, auch von der aktuellen Bundesregierung. Es fällt vielen schwer, die zahlreichen Berichte über Kriege und Krisen mit dem Gedanken „so ist halt die Welt“ abzutun. Das Leid der Opfer geht ihnen immer mehr unter die Haut.

Dass es Menschen und Regionen auf der Welt gibt, die friedlich zusammenleben, immun sind gegen Feindbilder, die einfaches Gut/Böse-Denken ablehnen und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten praktizieren, geht oftmals in der Berichterstattung unter, ist keine Nachricht wert oder wird kaum wahrgenommen.

Auch wenn an vielen Orten der Welt ein Leben in Frieden und Freiheit nicht möglich ist, setzen sich doch überall Menschen mit zivilen und gewaltfreien Mitteln für Schwächere, für Demokratie, für Gerechtigkeit und Freiheitsrechte oder für den Erhalt unserer Erde ein. Viele tun dies, auch wenn sie dafür angefeindet, bedroht, verfolgt oder sogar bestraft werden. In den Schlagzeilen landen dennoch zumeist Berichte über Gewalt und Unfrieden, nur allzu selten wird über das durchaus wirksame Engagement für eine bessere Welt berichtet.

Das diesjährige Motto der Ökumenischen FriedensDekade „Erzähl mir vom Frieden“ will den Fokus auf dieses positive Engagement richten, ohne den vorhandenen Unfrieden, ohne das vorherrschende Unrecht oder die grassierende Angst vor einer ungewissen Zukunft auszublenden. Aber es wird angeregt verstärkt wahrzunehmen, was bereits gelingt und wo sich Menschen gemeinsam erfolgreich für den Frieden engagiert haben und aktuell engagieren. Solche Geschichten und Erzählungen stehen in diesem Jahr im Zentrum der FriedensDekade. Wie ist es gelungen, dass Deutschland und Frankreich nach dem II. Weltkrieg heute nicht mehr Erzfeinde sind? Was hat zum Erfolg der „friedlichen Revolution“ in der ehemaligen DDR geführt? Warum sind in Norwegen die Menschen glücklicher als anderswo? Wie gelingt es Staaten, Millionen Geflüchtete aufzunehmen oder Zugewanderte zu integrieren, ohne dass es zu massiven, gewalttätigen Protesten kommt?

Das Versprechen auf eine schnelle, gewaltsame Bekämpfung von Unrecht oder terroristischer Gewalt ist attraktiv, aber unsere Erfahrungen und auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich mit Waffengewalt kein Frieden herstellen lässt. Gewalt führt vielmehr zu unvorstellbarem Leid und immenser Zerstörung. Umso wichtiger ist das Wissen über Alternativen, die existieren und täglich praktiziert werden. Denn es gibt diese gewaltfreien Alternativen, im sozialen Miteinander genauso wie bei inner- und zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen.

Für eine erfolgreiche Friedensbildung, eine „Erziehung zum Frieden“, braucht es Vorbilder und positive, Mut-machende Beispiele. Im näheren Umfeld sind dies im besten Fall Eltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen, das soziale oder Arbeitsumfeld. Aber es ist zugleich wichtig und lehrreich über den lokalen oder regionalen Horizont hinaus zu blicken. Ein Beispiel: Im Rahmen des Programms des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) gibt es eine Vielzahl an Projekten, in denen sich Initiativen und Organisationen weltweit mit professioneller Unterstützung für Frieden, Versöhnung und die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen (www.ziviler-friedensdienst.org).

Über Jahrhunderte hinweg erfolgte in den meisten Fällen die schriftliche Überlieferung, die geschichtliche Einordnung von Konflikten aus der Sicht von Mächtigen. Dabei ging es nicht so sehr um eine authentische Vermittlung von Tatsachen, sondern darum, sie als Helden, als erfolgreiche Kriegsherren darzustellen. Und zugleich gibt es aber fast überall ursprünglich mündlich tradierte Geschichten und Erzählungen über ein gewaltfreies Engagement, das in der Vergangenheit wie in der Gegenwart zu Frieden beigetragen hat. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die meine Mutter aus ihrer Heimat Nordfriesland erzählt hat: Als dänische Krieger intervenierten, wollten die nordfriesischen Männer gegen sie in den Krieg ziehen. Die Frauen sperrten sie ein, um ein Blutvergießen und weitere Rachezüge zu verhindern. Sie vertrieben die dänischen Krieger mit Bratpfannen und Kochtöpfen. Andere Geschichten erzählen, wie Frauen Sex verweigerten, um ihre Männer zur Vernunft zu bringen und Kämpfe zu verhindern.

Im Geschichtsunterricht lernen wir bis heute viel über römische Feldherren, Kolonialmächte oder die Gräuel zweier Weltkriege und der NS-Herrschaft. Dabei droht das Friedensengagement aus dem Blick zu geraten: Von Jesus wird berichtet, wie er zum Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht geraten hat („Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist …“). Der von Mahatma Ghandi angeführte indische Widerstand gegen die britische Kolonialmacht, der Widerstand gegen die rassistische Vorherrschaft Weißer in den USA (Martin Luther King) und in Südafrika (Nelson Mandela), alles Beispiele für ein gewaltfreies Engagement, das überaus erfolgreich war. Die Sklaverei wurde letztlich nicht freiwillig von den Staaten geächtet, sondern dank des breiten, vorrangig gewaltfreien Widerstehens von vielen Menschen an vielen Orten. Wer kennt schon die Entstehungsgeschichte des Internationalen Versöhnungsbundes, das mutige Handreichen und Friedensversprechen von Franzosen und Deutschen 1914, direkt vor Beginn des Ersten Weltkrieges? Oder wer hält die Erinnerung an den vielfachen Widerstand gegen die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft in Deutschland, aber auch in den besetzten Ländern wach?

Wir sind auf Geschichten jenseits von Gewalt, Kriegen und Krisen angewiesen, die uns Mut machen. Viele solcher Hoffnungsgeschichten finden sich auch in der Bibel, aus denen Christ*innen weltweit Kraft schöpfen für ihr gewaltfreies Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Frieden auf Erden ist die biblische Verheißung. Und dann noch die schöne Zusage aus den sogenannten Seligpreisungen. Die Botschaft ist klar: Gemeinsam können wir Berge versetzen – mit Gottes Hilfe. Um dies nicht zu vergessen, ist eines dringender denn je: Erzähl mir vom Frieden!

———————– (Erstveröffentlichung im Januar 2024)

Jan Gildemeister ist Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)

Kostenlose Ausstellung „Gesichter des Friedens“

10 Menschen. Gesichter. Geschichten.

Kann es Frieden geben ohne Menschenrechte? Ohne nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung für alle? Ohne Mitgefühl, Toleranz und Dialog? Ohne Freiheit?

Eine multimediale Ausstellung des Forum Ziviler Friedensdienst e. V. (forumZFD)

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden entsteht im täglichen Miteinander – im Kleinen wie im Großen. Dafür setzen sich weltweit viele Menschen und Organisationen ein, aber allzu oft bleiben ihr Engagement und ihre Geschichten unsichtbar. Diese Ausstellung macht sie sichtbar.

Die Plakat-Ausstellung „Gesichter des Friedens“ (kostenlos hier bestellbar) stellt zehn Menschen vor, die sich für Frieden einsetzen – alle auf ihre eigene Art und Weise. Sie alle verbindet, dass das Wort „Krieg“ für sie kein abstrakter Begriff ist. Sie haben ihn selbst erlebt. Viele mussten sogar aus ihren Heimatländern fliehen. Aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus setzen sie sich heute für Frieden ein.

Zu allen Porträtierten gibt es ein großformatiges Plakat und ein Video-Interview. Insgesamt gibt es 10 Plakate, davon 8 mit Porträts und 2 mit Einleitung und Titel. Die Plakate stehen nur noch im Format DIN A0 (84,1 x 118,9 cm) zur Verfügung. Die Plakate sind auf festem Papier gedruckt. Es gibt keine Aufhängung oder Rahmung. Es steht den Ausstellern frei, die Plakate zu rahmen. Die Plakate können aber zum Beispiel auch an Pinnwänden befestigt werden.

Zusätzlich zu den Plakaten stehen 8 Video-Interviews zur Verfügung, die auf der Webseite des forumZFD abrufbar sind. Die Videos gibt es jeweils in einer Langfassung von 25-40 Minuten sowie in einer Kurzfassung von 3-5 Minuten.

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Alle Informationen zur Ausstellung, Formaten, Größen, Bestell- und Einsatzmöglichkeiten etc. finden Sie auf der Website des forumZFD unter https://www.forumzfd.de/de/gesichter-des-friedens

 

FRIEDEN. Schreiben gegen die Ohnmacht.

Eine Schreibwerkstatt zum Frieden

Die Evangelische Allianz bietet in diesem Jahr rund um die FriedensDekade eine Schreibwerkstatt zum Frieden an.

Wo ist der Frieden in dieser Welt? Konflikte brechen auf, dauern an, fordern unzählige Menschenleben. Politiker streiten unablässig, werden von den Medien bloßgestellt, Unmut wartet an jeder Straßenecke. Wie sollen wir mit all dem umgehen, was unseren äußeren und inneren Frieden ins Wanken bringt?

Mit der kreativen Schreibwerkstatt „Frieden – Schreiben gegen die Ohnmacht und das Füreinander“ bietet die Evangelische Allianz in Deutschland e. V. mit der Schreibpädagogin Amelie Rick die Möglichkeit, sich schreibend und ganz individuell mit dem Frieden auseinanderzusetzen und miteinander und mit Gott ins Gespräch zu gehen.

Es handelt sich um online-Kurse. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Öko-Panzer? (von Paul Schobel, Böblingen, Katholische Kirche)

Öko-Panzer?

Kriege morden nicht nur Menschen, sie schänden auch die Schöpfung im Übermaß. Im ersten Kriegsjahr in der Ukraine wurden um die 150 Millionen Tonnen Co2 ausgestoßen – so viel wie in ganz Belgien im selben Zeitraum.[1]) Rüstung und Militär sind für sechs Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Dabei sind die Kriegsfolgen mit ihren katastrophalen Zerstörungen, verheerenden Bränden oder berstenden Staudämmen gar nicht miteingerechnet. Von den kolossalen Umweltbelastungen des Wiederaufbaus ganz zu schweigen. Kriege zerstören ganze Öko-Systeme – die Lebensgrundlage auch für zukünftige Generationen. Sie machen alle Bemühungen um eine intakte Umwelt zunichte und geben die Klima-Ziele der Lächerlichkeit preis.

Geradezu pervers die Bemühungen der Rüstungsindustrie um mehr Nachhaltigkeit: Kampfjets mit tödlichen Waffen an Bord, aber Bio-Sprit im Tank. Panzer – volles Rohr, aber solarbetrieben, Haubitzen mit Öko-Plakette oder was? Mensch und Schöpfung überleben nur, wenn dieses ganze Teufelszeug vom Erdboden verschwindet.

An dieser Stelle schalte ich eine Vermissten-Anzeige: Wo bleiben sie denn, die Umwelt-Schützer und die Aktivisten der „letzten Generation“? Wann endlich demonstrieren sie vor Kasernen und Truppenübungsplätzen? Wann haken sie sich bei den Friedensbewegten unter und machen mit ihnen gemeinsame Sache? Krieg darf um Gottes, um der Menschen und um der Schöpfung willen einfach nicht sein!

Als Christ bewahre ich mir die biblische Vision und bete darum, dass wir „Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Sicheln umschmieden“. „Rüstungskonversion“ sozusagen. Davon träumt der Prophet Micha (Micha 4,3) im Alten Testament. Nur so wird am Ende, wie er meint, „ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum wohnen können“.

Ein Bild des Friedens – für Mensch und Natur.

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Beitrag in Morgengedanken des SWR4 BW vom 16.4.2024

Der Autor: Paul Schlegel, katholischer Priester im Ruhestand, Pax-Christi-Mitglied

 

Gerade jetzt. Für alle.

Arbeit für Demokratie vor dem Aus?

180 Organisationen schreiben offenen Brief an Bundeskanzler und Abgeordnete

Berlin, 2. Juli 2024
Die Haushaltsverhandlungen laufen auf Hochtouren und für das demokratische Engagement sieht es schlecht aus: Wenn Christian Lindner seine Sparvorgaben durchsetzt, steht die Arbeit für Demokratie und Teilhabe in Deutschland vor dem Aus. 180 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), fordern deshalb in einem offenen Brief an den Bundeskanzler und die Abgeordneten: Lassen Sie uns nicht im Stich, sondern setzen Sie sich in den Haushaltsverhandlungen dafür ein, dass die Förderung für politischer Bildung, Kinder- und Jugendarbeit, Freiwilligendienste und Demokratieförderung nicht gestrichen, sondern verstetigt wird. Gerade jetzt, wo die AfD unsere Demokratie bedroht wie nie zuvor.

Was die Kürzungen bedeuten würden: Feuerwehren und Sportvereine müssten ihre Demokratieprojekte einstellen, Präventionsprojekte an Schulen würden gestrichen,
Beratungsstellen zum Umgang mit Rechtsextremismus für Engagierte, Gewaltopfer und Ausstiegswillige müssten schließen, Freiwilligendienste, Jugendverbände, Migrant*innen-Organisationen sowie innovative Ansätze in der Gedenkstättenarbeit stünden vor dem Aus.

„Die Zivilgesellschaft wird auf Jahrzehnte geschwächt, die demokratische Kultur erodiert“, schreibt das Bündnis im oPenen Brief – und appelliert an Bundeskanzler Scholz und die Abgeordneten im Bundestag: „Die aktuellen Haushaltsverhandlungen dürfen auf keinen Fall zu einem Kahlschlag führen! Wir brauchen die Angebote mehr denn je. Deshalb muss die Finanzierung des Kinder- und Jugendplans des Bundes, der Freiwilligendienste, der politischen Bildung und der großen Förderprogramme „Demokratie leben!“ (BMFSFJ) und „Zusammenhalt durch Teilhabe“ (BMI) in den kommenden Jahren sichergestellt und ausgebaut werden – gerade jetzt, für alle.“

Dem Bündnis gehören 180 gemeinnützige Organisationen an, die sich für Demokratie und Teilhabe einsetzen. Dazu gehören große Verbände wie der Deutsche Feuerwehrverband, der Bundesjugendring, der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten und der Deutsche Kinderschutzbund, Netzwerke wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen oder die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen sowie eine Vielzahl von Beratungsstellen und Projektträgern vor Ort. Neben dem offenen Brief hat das Bündnis vor wenigen Wochen eine Petition gestartet. Innerhalb kürzester Zeit wurden über 75.000 Unterschriften gesammelt.

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Den Offenen Brief an den Bundeskanzler und die Abgeordneten finden Sie hier.

Pressekontakt:
Jan Gildemeister, AGDF-Geschäftsführer, Telefon 0228/24999-13

 

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