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Komm den Frieden wecken: Die FriedensDekade 2025 im Überblick

Zwischen Erinnerung, Kreativität und Engagement: zehn Tage, in denen Frieden gehört wird.

„Komm den Frieden wecken!“ – unter diesem Motto steht die 45. Ökumenische FriedensDekade vom 9. bis 19. November 2025. In einer Zeit, die von Kriegen, Klimakrise und sozialer Spaltung geprägt ist, ruft die Friedensbewegung dazu auf, Frieden aktiv zu gestalten: durch Dialog, gewaltfreie Lösungen und gelebte Versöhnung.

Die FriedensDekade hat eine lange Tradition: Seit den 1980er-Jahren verbindet sie Kirchengemeinden, Schulen und Initiativen über die damalige innerdeutsche Grenze hinweg. Besonders in der DDR war sie ein wichtiger Raum, um trotz staatlicher Einschränkungen Friedensfragen sichtbar zu machen und Gemeinschaft zu erleben.

2025 steht das Motto im Zeichen des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs. Es erinnert uns daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern täglich erkämpft werden muss.

Warum „Komm den Frieden wecken“?

Das Motto lädt uns ein, Frieden nicht passiv zu erwarten, sondern bewusst zu aktivieren. In der Bildmeditation „Komm den Frieden wecken“ werden Fragen gestellt wie: Welche Farbe hätte ich als Konfettistreifen? Wo würden Lichtpunkte des Lebens notwendig? Bilder, die dazu anregen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und eigene Sehnsüchte für Frieden ins Bild zu bringen.

So wird das Motto konkret: Wir sind nicht nur Betrachter:innen, sondern Mitschöpfer:innen. Frieden beginnt da, wo wir unsere Innenräume öffnen, uns auf das Staunen einlassen und bereit sind, neue Perspektiven zuzulassen.

Biblisch gerahmt verweist es auf Gottes Verheißung (z. B. Römer 13,11–12: „Die Stunde ist da“) und politisch mahnt es gegen allzu einfache Antworten: Aufrüstung schafft keinen Frieden. Stattdessen braucht es zivile Konfliktbearbeitung, soziale Gerechtigkeit und Menschen, die bereit sind, aktiv zu werden – im Kleinen wie im Großen.

Mitmachen bei der FriedensDekade 2025: Ideen, Materialien und Aktionen

Mitmachen kann jede:r: Gemeinden, Schulen, Vereine, Initiativen und Einzelpersonen sind eingeladen, Teil der FriedensDekade 2025 zu sein. Die Mitmachmöglichkeiten sind vielfältig und reichen vom kleinen Friedenszeichen bis zur größeren Aktion.

Sie können auf verschiedene Weise mitmachen:

  • Nutzen Sie die kostenlosen Plakate, Postkarten und Minifaltblätter, die Sie hier herunterladen oder im Online-Shop bestellen können.

  • Planen Sie eigene Veranstaltungen: von Friedensgottesdiensten über Lesungen bis hin zu Straßenaktionen. Inspiration finden Sie in unseren spezifischen Mitmachtipps.

  • Teilen Sie Ihre Erfahrungen: Berichten Sie von Friedensprojekten in Ihrer Gemeinde oder Initiative und tragen Sie Ihre Veranstaltungen per E-Mail an kontakt@friedensdekade.de ein.

So entsteht ein lebendiges Netzwerk, in dem Frieden nicht abstrakt bleibt, sondern im Miteinander erfahrbar wird.

Zentrale Veranstaltungen der FriedensDekade 2025 und Terminübersicht

Ein Höhepunkt der FriedensDekade 2025 ist der zentrale Gottesdienst in Chemnitz. Hier verbinden sich Musik, Geschichte und gesellschaftliches Engagement zu einem eindrucksvollen Zeichen für Frieden und Gemeinschaft. Mehr Informationen finden Sie hier.

Darüber hinaus laden wir alle ein, eigene Veranstaltungen zu gestalten:
Besuchen Sie die Terminübersicht, lassen Sie sich inspirieren und tragen Sie Ihre eigene Aktion bei. Gemeinsam gestalten wir zehn Tage, in denen Frieden nicht nur Thema ist, sondern erfahrbar wird.

„Komm, Frieden, lass dich wecken“ – der Ohrwurm zur FriedensDekade 2025

Zur FriedensDekade 2025 schenkt Liedermacher Eugen Eckert ein neues Lied: „Komm, Frieden, lass dich wecken“. Es ist Einladung und Gebet zugleich: ein Ohrwurm, der Herz und Verstand verbindet und die Botschaft des Mottos musikalisch erfahrbar macht.

Das Lied will Mut machen, Frieden zu ersehnen, zu singen und gemeinsam hörbar werden zu lassen. So wird das Motto „Komm den Frieden wecken“ nicht nur gedacht, sondern auch geklungen. Mehr zum Lied und den Noten finden Sie hier.

Gemeinsam den Frieden wecken – Ihr Beitrag zählt!

Die FriedensDekade 2025 ist Einladung und Herausforderung zugleich: Frieden beginnt im Kleinen, in Gemeinden, in Schulen, auf Straßen und in Gesprächen. Wenn viele Menschen mitmachen, entsteht ein starkes Signal für Gerechtigkeit, Versöhnung und Hoffnung.

 

Kreativ für Frieden: Justice.Peace.Imagination – das Sketchbook-Projekt der EKM und der EVLKS

Komm den Frieden wecken: Kreativität als Brücke in der FriedensDekade 2025.

Ein künstlerischer Ausdruck kann Dinge sagen, für die Worte fehlen. Mit Blick auf die FriedensDekade 2025 unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ lädt das Sketchbook-Projekt Justice.Peace.Imagination der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens dazu ein, Frieden und Gerechtigkeit kreativ zu erforschen. Es ermutigt dazu, die eigene Vorstellungskraft als wertvolle Ressource zur Mitgestaltung einer friedlichen Welt wiederzuentdecken und die FriedensDekade 2025 aktiv mitzugestalten.

Zentrale Fragen des Projekts:

  • Wo begegnen Ihnen Gerechtigkeit und Frieden in Ihrer Lebenswelt – oder wo fehlen sie?
  • Wie sieht eine Welt aus, die gerecht und in Frieden ist?

Aus den eingesandten Sketchbooks entsteht anschließend eine einzigartige Ausstellung – eine Bibliothek künstlerischer Perspektiven, tiefgründig, persönlich und zum Anfassen. Von März bis November 2026 wird die Ausstellung durch Ost- und Mitteldeutschland reisen und Begegnungen zwischen Menschen ermöglichen, die sich sonst wohl nie getroffen hätten. Die Sketchbooks eröffnen neue Perspektiven auf Frieden und Gerechtigkeit, die im Austausch und in der Begegnung wachsen dürfen.

Ihre Mitwirkung:

  • Bestellen Sie Ihr Sketchbook über das Projekt und gestalten Sie es künstlerisch.
  • Reichen Sie Ihr Sketchbook bis zum 19. Dezember  ein.
  • Optional: Reichen Sie einzelne Kunstwerke bis zum 26.10.2025 ein, die zum Motto der FriedensDekade 2025 passen.

Was passiert mit den Sketchbooks?

Die eingesandten Bücher und Kunstwerke schlagen eine Brücke zur FriedensDekade 2025: Zehn ausgewählte Werke werden während der zehn Tage im November in einer virtuellen Mini-Ausstellung auf unserer Webseite und auf Instagram präsentiert. So werden einige der kreativen Beiträge schon vor der großen Ausstellung 2026 sichtbar und machen Lust auf die weiteren Kunstwerke.

Wer kann mitmachen?

Das Projekt richtet sich an alle, die ihre Perspektiven auf Frieden und Gerechtigkeit künstlerisch ausdrücken möchten – Einzelpersonen, Gruppen, Gemeinden, Schulen oder Initiativen.

Mehr Informationen und Anmeldung:

Machen Sie mit und gestalten Sie die FriedensDekade 2025 kreativ mit: Ihr Sketchbook, Ihr Beitrag, Ihr Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit.

Folgen Sie uns auf Instagram für Impulse, aktuelle Termine und Hintergründe. Abonnieren Sie außerdem unseren Newsletter, damit Sie keine Aktion verpassen und gemeinsam mit vielen anderen den Frieden wecken.

 

Chemnitz wird Bühne des Friedens: Musik, Geschichte und Engagement in der FriedensDekade 2025

Musik, Geschichte und Engagement im Herzen der Kulturhauptstadt Europas

Chemnitz: Stadt der Transformation

Chemnitz. Eine Stadt mit einem Namen, der Geschichte atmet. Karl-Marx-Stadt, Industrie, DDR-Erbe und heute Kulturhauptstadt Europas 2025. Ein Ort, der geprägt ist von Transformation, von Aufbruch und auch von Widersprüchen. An diesem Ort wird am 12. November der zentrale Gottesdienst der FriedensDekade 2025 gefeiert – ein Tag, an dem Chemnitz selbst zur Bühne des Friedens wird. Aber noch wichtiger: Die gesamte Republik wird für zehn Tage Teil dieser Bühne, vom 9. bis 19. November, in jedem Schulhof, in jeder Kirche, in jedem Verein, in jeder Kommune. Alle Termine finden Sie unten.

Musik als Stimme für Frieden

Popmusik kann Politik, kann Geschichte und Haltung transportieren. Kraftklub, die Band aus Chemnitz, versteht es wie kaum eine andere, ihre Stadt und die Lebensgefühle ihrer Generation in Songs zu packen, die zugleich kritisch, leidenschaftlich und aufrüttelnd sind. Mit „Karl-Marx-Stadt“ und „September Song“ hat Kraftklub nicht nur Songs über Identität und Erinnern geschaffen, sondern auch über Verantwortung und die eigene Stimme in der Gesellschaft.

Sie spiegeln, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern Engagement, Reflexion und Mut braucht. Die FriedensDekade nutzt dieses Potenzial: Musik, Kunst und gemeinsames Handeln werden zu Mitteln, um Haltung sichtbar und erlebbar zu machen.

Das Lied „Schüsse in die Luft“ fordert auf, Stellung zu beziehen. Für uns heißt das: Zehn Tage lang Chemnitz und alle Orte in Deutschland, an denen Menschen zusammenkommen, zu einer Bühne zu machen. Jede Andacht, jede Gesprächsrunde, jedes kleine Friedenszeichen ist ein Akt des gemeinsam Einstehens. Jede Initiative, die sich für Frieden, gegen Aufrüstung, Wehrpflicht und Rekordschulden für Krieg positioniert, ist Teil einer kollektiven Botschaft.

Komm den Frieden wecken – Zehn Tage, viele Stimmen

Die FriedensDekade 2025 macht deutlich, dass Engagement nicht abstrakt bleibt. Wer mitmacht, ob als Gemeinde, Jugendgruppe, Verein oder Einzelperson, bringt die Botschaft des Friedens in die Öffentlichkeit. Ein friedliches Europa, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wird so sichtbar gelebt.

Die zehn Tage werden zu einem vielstimmigen Chor, in dem Kreativität, Dialog und Handeln die Hauptstimmen sind. Chemnitz wird somit nicht nur zur Kulturhauptstadt, sondern zur Bühne des Friedens, die von den Menschen selbst gestaltet wird.

Die FriedensDekade ruft auf zum Mitmachen

Musik, Kunst und persönliche Initiativen verschmelzen zu einem lebendigen Statement: Frieden ist kein abstraktes Ideal, sondern wird täglich geschaffen. Wer am 12. November in Chemnitz dabei ist oder in seiner eigenen Gemeinde aktiv wird, zeigt Haltung, setzt Zeichen und wird Teil eines europäischen Friedensprojekts, das Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbindet.

Die FriedensDekade ruft alle auf: Nutzt die Bühne, zeigt Engagement, gestaltet aktiv die Stadt, eure Gemeinde, euer Umfeld – zehn Tage lang. Macht sichtbar, dass Frieden möglich ist, dass er gehört, gesehen und erlebt werden kann. Denn Frieden wächst nicht aus Politik allein, sondern aus den Menschen, die handeln.

Von Chemnitz bis in Ihre Gemeinde: Machen Sie die FriedensDekade erlebbar

In unserem Shop finden Sie Gottesdiensthefte, Plakate und die neue Weihnachtskarte, mit der Sie selbst ein Zeichen für den Frieden setzen können. Folgen Sie uns auf Instagram für Impulse, aktuelle Termine und Hintergründe. Abonnieren Sie außerdem unseren Newsletter, damit Sie keine Aktion verpassen und gemeinsam mit vielen anderen den Frieden wecken.

Die Termine zur FriedensDekade 2025 in Chemnitz: Komm den Frieden wecken!

Die Ev.-Luth. Kirchgemeinde St.Andreas Chemnitz/Gablenz lädt zu folgenden Terminen ein:

Sonntag, 09. November
Familienkirche mit Eröffnung der FriedensDekade
10 Uhr Andreaskirche

Montag, 10. November
Friedensgebet
8 Uhr Andreaskirche

Dienstag, 11. November
Martinsfest mit Friedensgebet
17 Uhr Andreaskirche

Mittwoch, 12. November
zentraler Gottesdienst zur FriedensDekade
18 Uhr Jakobikirche

Donnerstag, 13. November
Friedensgebet
18 Uhr Andreaskirche

Freitag, 14. November
Gemeindeabend zur FriedensDekade
19 Uhr Saal der Andreasgemeinde

Samstag, 15. November
Friedensgebet
18 Uhr Andreaskirche

Sonntag, 16. November
Gottesdienst mit Friedensgebet
10 Uhr Andreaskirche

Montag, 17. November
Friedensgebet
18 Uhr Andreaskirche

Dienstag, 18. November
Friedensgebet
18 Uhr Andreaskirche

Mittwoch, 19. November
Buß-und Bettagsgottesdienst mit Abschluss der FriedensDekade
10 Uhr Trinitatiskirche (Hilbersdorf)

Frieden im Dialog: Militärpfarrer Claus-Jörg Richter über Friedenstüchtigkeit und seelsorgerliche Verantwortung

Ein Gespräch zwischen Militär und Friedensethik

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal trifft Lars Blume auf Militärpfarrer Claus-Jörg Richter. Ein Gespräch, das im Spannungsfeld zwischen Militär und Friedensethik steht und seltene Einblicke in die seelsorgerliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten gibt – geprägt von Verantwortung, Gewissen und der Suche nach Sinn.

Claus-Jörg Richter und Lars Blume im Dialog

In der Reihe Frieden im Dialog treffen sehr unterschiedliche Stimmen aufeinander. Dieses Mal ist es ein Gespräch, das in einem besonderen Spannungsfeld steht: Frieden und Militär. Militärpfarrer Claus-Jörg Richter begleitet Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen, er hört ihre Ängste, ihre Zweifel, ihre Hoffnungen. Seine Antworten auf unsere Fragen geben einen seltenen Einblick in die seelsorgerliche Perspektive innerhalb der Bundeswehr.

Im Dialog mit Lars Blume wird deutlich, wie sehr die Themen Verantwortung, Gewissen und die Suche nach Sinn die Arbeit eines Militärpfarrers prägen. Lars bringt seine eigenen friedensethischen Fragen und Erfahrungen ein. So entsteht ein Gespräch, das keine einfachen Antworten gibt, sondern den Raum für ehrliche Auseinandersetzung öffnet.

 

Lars Blume: Herr Richter, das Motto der FriedensDekade 2025 lautet „Komm den Frieden wecken“. Was bedeutet es für Sie als Militärpfarrer?

Claus-Jörg Richter: „Als Militärpfarrer verstehe ich mich als Seelsorger. Eingebunden bin ich in die Militärseelsorge, die mit ca. 100 Dienststellen im Inland und 4 Dienststellen im Ausland für die Soldaten und deren Angehörigen da sein will. Nachdem das Wort ‚Kriegstüchtigkeit‘ aufgetaucht ist, bewegt mich vielmehr auch der Gedanke: Wie können wir ‚friedenstüchtig‘ sein bzw. werden?“

Lars Blume: Das finde ich sehr spannend. In meiner Arbeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in 8 Kohleregionen in verschiedenen Ländern habe ich erfahren dürfen, wie zentral es ist, Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Erst wenn Vertrauen da ist, haben Worte und Taten Gewicht, ein Punkt, den Sie mit Ihrer Frage nach „Friedenstüchtigkeit“ berühren. Wie erleben Sie Friedensarbeit in einem militärischen Umfeld?

Claus-Jörg Richter: „Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld in Sigonella/Sizilien sprechen. Wir sind hier Gast in einem europäischen Land. Auf der einen Seite gibt es einen sog. militärischen Auftrag, eingebunden in die Zusammenarbeit mit anderen Nationen der NATO. Auf der anderen Seite ist Sizilien im Vergleich zu Norditalien sehr arm. Diese Armut ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Um diese Not ein wenig zu lindern, rufen wir vom Evangelischen Militärpfarramt zweimal jährlich zu einer Lebensmittelspendenaktion auf. Ebenso nehmen wir Kleiderspenden entgegen. Diese Spenden liefern wir an eine kirchliche Sozialstation. Das ist der Beitrag der Soldaten und ihrer Angehörigen. Wir nehmen teil an und richten auch aus die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag oder an den Tagen, an denen die jeweiligen Nationen ihre Gedenktage der Gefallenen der beiden letzten Kriegen begehen. Das tun wir unter Einbeziehung der jeweiligen einheimischen Bevölkerung. Soldaten stellen da immer eine Abordnung bereit. In meinen Ansprachen nehme ich auch immer Bezug auf den friedensethischen Aspekt. Bei den sich anschließenden Zusammenkünfte finden wertvolle und wertschätzende Begegnungen statt zwischen Menschen, deren Großväter sich bekämpften.“

Lars Blume: Diese Begegnungen zwischen den Generationen erinnern mich an meine Arbeit in Vietnam, wo ich gelernt habe: Erst muss Vertrauen wachsen, dann können Worte und Handlungen Wirkung entfalten. Auch hier zeigt sich: Friedensarbeit braucht Zeit, Geduld und oft kleine Schritte im Alltag. Welche Rolle spielt Ihr eigener Glaube in dieser Arbeit?

Claus-Jörg Richter: „Diese Frage lässt mich ein wenig schmunzeln und ich erinnere mich an die 80-er Jahre und die Friedensbewegung. Was war ich ein glühender Verfechter, angetrieben von den Gedanken von Martin Luther King und Mahatma Gandhi. Dorothe Sölle und Franz Alts Buch über die Bergpredigt hatten mich sehr inspiriert.“

Lars Blume: Ich kann das gut nachvollziehen. In meiner Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit habe ich erfahren, wie wichtig eine innere Haltung ist; Geduld, Achtsamkeit, die Bereitschaft zuzuhören. Das finde ich, übertragbar auf Ihre Arbeit, sehr wertvoll.

Sie haben viel vom Dialog gesprochen. Gab es Situationen, in denen Sie erlebt haben, dass Dialog tatsächlich Frieden ermöglicht hat?

Claus-Jörg Richter: „Frieden kann nur im Dialog mit dem fremden Gegenüber (Bereitschaft und Interesse bei beiden Seiten vorausgesetzt) gesucht und auch gefunden werden. So paradox das klingt: Erst wenn der Frieden (auch militärisch) gesichert ist, können diese Gespräche stattfinden. Ich sage das auf dem Hintergrund meiner Erfahrung als Seelsorger in Afghanistan. In einem gesicherten Umfeld konnte ich respektvolle Gespräche mit muslimischen Geistlichen auch über den Frieden führen.“

Lars Blume: Genau das habe ich in Asien und Afrika erlebt: Ohne einen sicheren Rahmen gibt es keine echten Begegnungen. Und selbst wenn dieser Rahmen da ist, bleibt es komplex und vielschichtig, es ist ein ständiges reflektieren, zuhören und die Bereitschaft das eigene Handeln anzupassen.

Wie gestalten Sie den Alltag, um Friedensimpulse zu setzen, auch wenn Spannungen auftreten?

Claus-Jörg Richter: „Wie in jedem anderen Zusammenleben und Zusammenarbeiten auch, treten manchmal Meinungsunterschiede und Spannungen auf. Da verstehe ich mich als Mediator, Vermittler, dass zwei Parteien wieder zusammenfinden können. Dieses Zusammenfinden wird beschlossen mit: Jetzt reicht einander wieder die Hand. Das ist ein offenes Zeichen für die christliche Botschaft der gegenseitigen Vergebung und Versöhnung, auch wenn das manchmal nicht so bewusst ist.“

Lars Blume: Ich kenne das aus Transformationsprozessen in Kohleregionen: Kleine Zeichen der Versöhnung, gemeinsame Rituale oder einfache Gesten können enorme Wirkung entfalten. Selbst in angespannten Situationen ist es oft ein Perspektivwechsel, der den Dialog ermöglicht. Wie kann man Friedensimpulse auch dort setzen, wo Gewalt und Krisen präsent sind?

Claus-Jörg Richter: „Pausen. Tief durchatmen. Kühlen Kopf bewahren. Das Gebet.“

Lars Blume: Das ist ein inspirierender Ansatz und wenn ich darüber nachdenke sehr wertvoll. In der Natur und beim bewussten Durchatmen finde ich häufig Lösungen, die friedlicher und nachhaltiger sind, als wenn ich sofort handel.

Wie nehmen die Soldaten die Verantwortung für Frieden wahr?

Claus-Jörg Richter: „Im sog. Lebenskundlichen Unterricht wird auch die friedensethische Frage behandelt. Den Soldaten ist es sehr bewusst, dass sie sich auch unter Einsatz des Lebens für friedenserhaltende und friedensfördernde Maßnahmen einsetzen. Über das sog. ‚scharfe Ende‘ wird auch gesprochen. Ein Soldat brachte es einmal auf den Punkt: ‚Auch unter Einsatz militärischer Mittel stehe ich ein für die Durchsetzung und Aufrechterhaltung eines vorläufigen Friedens, der dann mit diplomatischen Mitteln weiter vorangetrieben wird. Dabei sehe ich manchmal das Dilemma, ein größeres Übel mit einem kleineren Übel zu bekämpfen.‘“

Lars Blume: Das zeigt die Komplexität, die wir in vielen relevanten Fragen zur Zeit erleben: Entscheidungen sind selten schwarz-weiß, schwierige Abwägungen begleiten jede friedensethische Handlung. Und trotzdem schöpfen Sie Hoffnung, woher kommt sie?

Claus-Jörg Richter: „Ich bin getragen von Gottes Zusage, ‚die Welt nicht mehr zu verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.‘ (Genesis 8,21) Leider bereiten Statements und Aktionen mancher Staatenlenker Kopfschütteln. Ich halte dem entgegen: ‚Ihr habt nicht das letzte Wort.‘ Ferner, schon vor Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine habe ich eingeladen zu einem wöchentlichen Friedensgebet. Das ist im Zusammenhang zu sehen mit der Friedensspiritualität, von der auch der erwähnte Debattenbeitrag spricht. Hoffnung schöpfe ich aus dem nicht nachlassenden Gebet und der Hoffnung, dass Gottes unverfügbare Geistkraft Menschen zum Frieden bewegen kann.“

Lars Blume: Für mich ist das ein schönes Bild: Hoffnung entsteht durch konstante Praxis, sei es Gebet, Zuhören oder Engagement in Gemeinschaften und sie kann weit über die eigene Handlung hinaus wirken. Was möchten Sie Menschen mitgeben, die glauben, sie könnten nichts für Frieden tun?

Claus-Jörg Richter: „Eine Person alleine kann die Welt nicht retten. Dazu braucht es eine Bewegung sehr vieler Gleichgesinnter. Und wenn ich alleine die Welt nicht retten kann, so kann ich doch in meinem nächsten Umfeld versuchen, mit jedem Menschen in Frieden zusammenzuleben. Einer der Hauptschlüssel sind Vergebung und Versöhnung. Vorgeschaltet ist das große Wort der Gnade. Also gnädig mit sich selbst und dem anderen umgehen. Ich bin überzeugt, dass das dann weitere Kreise zieht.“

Lars Blume: Herzlichen Dank, Herr Richter. Gerade jetzt, wo über Wehrpflicht und ‚Kriegstüchtigkeit‘ debattiert wird, ist es entscheidend, die Frage zu stellen: Wie werden wir ‚friedenstüchtig‘? Die FriedensDekade 2025 kann dafür Räume eröffnen – für Dialog, Diplomatie und die Kraft der Worte. Frieden braucht mehr als Waffen: er braucht Begegnung, Zuhören und gegenseitige Anerkennung.

Frieden im Dialog: Stimmen, Aktionen und Materialien der FriedensDekade entdecken

Zum Weiterlesen und Mitgestalten laden wir Sie herzlich ein: Entdecken Sie weitere Beiträge der Serie „Frieden im Dialog“, stöbern Sie in den Materialien der FriedensDekade in unserem Online-Shop und teilen Sie Ihre eigenen Geschichten und Aktionen mit uns unter kontakt@friedensdekade.de. Folgen Sie uns auf Instagram und melden Sie sich für den Newsletter an, um aktuelle Impulse zu erhalten, und unterstützen Sie unsere Arbeit durch eine Spende – jeder Beitrag stärkt die Friedensarbeit.

Denn: Jede Begegnung, jede Aktion, jede Stimme zählt. Gemeinsam können wir den Frieden wecken!

Bildungsformate: Kaffee, Schokolade und Frieden erleben.

Was haben Ihr Morgenkaffee oder ein Stück Schokolade mit Frieden zu tun? Die Antwort liegt in ihren Geschichten: vom Anbau über Ernährungssicherheit und gerechte Löhne bis hin zu globalen Konflikten. Um dies spürbar und verständlich zu machen, starten wir in diesem Herbst gemeinsam mit dem Ostdeutschen Förderkreis von Oikocredit ein Pilotprojekt und Sie können dabei sein.

Schon am 5. September haben wir in Jena-Lobeda den Auftakt gefeiert. 20 junge Teilnehmende erlebten, wie Kakao als ein Symbol globaler Ungleichheit wirkt. Jetzt geht es weiter: bis März 2026 erproben wir gemeinsam, wie Bildung, Dialog und Erlebnisformate eine Haltung des friedenschaffenden Konsums fördern können.

Erlebnisformat „Ressourcen, Konflikt & Flucht“

Dieses interaktive Format macht sichtbar, wie Ressourcenknappheit, globaler Handel und Konflikte zusammenhängen – und welche Verantwortung wir tragen. Es eignet sich als kraftvoller Einstieg in Diskussionsabende in Gemeinden, Schulen, Initiativen. Wenn Sie mitmachen möchten, bieten wir Ende September und Anfang Oktober zwei Online‐Workshops an. Dort bekommen Sie alle Materialien und Anleitung an die Hand, um das Format selbst durchzuführen. Melden Sie sich gerne vorab an unter kontakt@friedensdekade.de.

Walk & Talk in Berlin im Herbst 2025

Kommen Sie mit uns auf Spurensuche – mitten in der Stadt:

Berlin-Moabit – Spur der Schokolade: 15. Oktober 2025, Start mit Meditation um 19:00 Uhr, dann Walk & Talk
Reformations-Campus e.V., Wiclefstraße 32, 10551 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder spontan dazukommen

Berlin-Marzahn – Spur des Kaffees: 25. Oktober 2025, 15:00 Uhr
Ev. Kirchengemeinde Marzahn, Alt Marzahn 61, 12685 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder einfach hingehen

Berlin-Tempelhof – Spur der Schokolade: 12. November 2025, 18:00 Uhr
Ev. Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Götzstraße 24 b, 12099 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder spontan mitmachen

Einladung an Gemeinden 2026

Sie möchten eines dieser Bildungsformate auch in Ihrer Gemeinde oder Schule umsetzen? Von Februar bis März 2026 suchen wir Orte und Gruppen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die das Format vor Ort erproben und mitgestalten möchten. Später möchten wir weitere Bundesländer dazugewinnen, vielleicht bald auch Sie. Melden Sie sich, wir freuen uns auf Ihre Ideen: kontakt@friedensdekade.de.

Machen Sie mit – Frieden braucht Sie

Ob Erlebnisformat oder Walk & Talk – jede Aktion setzt ein Zeichen. Nutzen Sie unsere Mitmachtipps auf der Website oder stärken Sie Ihr Format mit Materialien aus dem Webshop der FriedensDekade.

Gemeinsam wecken wir den Frieden; nachhaltig, erfahrbar, bewegend.

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