Zum Hauptinhalt springen
17. September 2023

Klimaschutz braucht Frieden! (von Michael Kettelhoit)

Die Klimakrise, gesellschaftliche Spannungen, die steigende Anzahl gewalttätiger Konflikte rufen bei vielen ein Gefühl der Verunsicherung hervor. Da liegt es nahe, mehr Sicherheit zu fordern. Viele denken dabei schnell an das Militär. Aus dieser Logik entstand in Deutschland das Sondervermögen für die Bundeswehr. Kann aber eine zunehmende Militarisierung eine passende Antwort auf die aktuellen Krisen sein? Sicher nicht – oder?

Wir stellen den Zusammenhang von Militär bzw. Kriegen und Klima bisher oft vor allem einseitig her. Die Klimakrise führt zu Ressourcenkonflikten, zu unbewohnbaren Gebieten, zu Migration und verschärft dadurch Gewalt und militärische Konflikte. Aber welche Auswirkungen haben das Militär und Kriege auf das Klima? Gibt es womöglich keine? Sicher nicht – oder?

Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, dass militärische Aktivitäten einen großen Einfluss auf das Klima haben. Die Zerstörungen in einem Krieg treffen nicht nur Menschenleben, sondern auch die Infrastruktur und die Umwelt. Treibstofflager werden angegriffen, Wälder angezündet und Gebäude zerstört. Hochrechnungen für den Ukraine-Krieg gehen davon aus, dass dieser im ersten Kriegsjahr so viele Treibhausgase verursacht hat, wie Belgien im Jahr 2022. Kriege verschärfen also die Klimakrise. Aber selbst in Friedenszeiten ist die Klimabilanz des Militärs fatal, denn auch in Übungen stößt militärisches Gerät wie Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe massiv CO2 aus. Außerdem haben die Liegenschaften, Bauvorhaben und Lieferketten des Militärs negative Auswirkungen auf das Klima. Eine Studie des Conflict and Environment Observatory (CEOBS)[1] kommt zu dem Schluss, dass das Militär weltweit für 5,5% der Emissionen verantwortlich ist. In der Rangliste der Treibhausgasemissionen der Länder wäre dies die vierte Position nach Indien und noch vor Russland. Diese Größenordnung ist eine konservative Schätzung, da es kaum offizielle Zahlen gibt. Seit den Verhandlungen des Kyoto-Protokolls 1997 und auch im Pariser Klimaabkommen von 2015 gibt es keine Rechenschaftspflichten für das Militär, geschweige denn CO2-Reduktionsziele.

Wenn der Einfluss des Militärs auf das Klima so gravierend ist, bedeutet die Aufrüstung des Militärs eine weitere Verschärfung der Klimakrise. Meinen wir es mit dem Klimaschutz also ernst, dann müssen uns nicht nur aus friedensethischen Gründen gegen eine Kriegslogik und für gewaltfreie Konfliktbearbeitung einsetzen – auch Klimaschutz braucht Frieden!

____________________

[1] Conflict and Environment Observatory (CEOBS) (2022): Estimating the military’s global greenhouse gas emissions, online unter: https://ceobs.org/wp-content/uploads/2022/11/SGR-CEOBS_Estimating_Global_MIlitary_GHG_Emissions.pdf

(Autor: Michael Kettelhoit, Referent der Evangelischen Friedensarbeit

Weitere Artikel

Wangari Maathai – Bäume pflanzen für den Frieden

15. April 2026
Biographie einer Friedenspionierin Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“ „Until you dig a hole, you plant a…

Yurii Sheliazhenko: Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen unter akuter Bedrohung

12. April 2026
Church & Peace und über 100 Organisationen weltweit fordern Schutz für ukrainischen Menschenrechtsverteidiger Der ukrainische Menschenrechtsverte…

„Das Ende ist mein“: Die Osterpredigt von Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler

30. März 2026
Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler blickt in ihrer Osterpredigt für die FriedensDekade 2026 auf die „Tische der Macht“ und kontrastiert sie…
0
    0
    Einkaufswagen
    Der Einkaufswagen ist leerZurück zum Shop