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Autor: Thomas Oelerich

NEU: Friedensliederbuch

Neues Liederbuch mit 100 Liedern für den Frieden

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Ökumenischen FriedensDekade haben wir ein einzigartiges „Friedens-Liederbuch“ herausgegeben, das in Kürze fertiggestellt sein wird. 100 Friedenslieder für Kirchengemeinden, Aktionsgruppen und Friedensinitiativen finden sich in dieser wunderbaren Liedersammlung. Noten und Akkordsymbole erleichtern das Singen und Musizieren aller Lieder. Ein „must have“ für Gesangsbegeisterte und Friedensbewegte!

Das Liederbuch (ca. 140 Seiten) im Din A5-Format, gebunden mit festem Einband, kann bereits jetzt über unsere Homepage zum Preis von 9,80 € bestellt werden.

 

„Wenn möglich, bitte wenden!“

Von  Dr. Dorothee Godel (Mai 2020)
(als pdf-Datei)

„Wenn möglich, bitte wenden“. Da habe ich die richtige Abzweigung verpasst und werde kurz darauf von meinem Navigationsgerät freundlich aber wiederholt dazu aufgefordert umzudrehen. Bequemer wäre es, einfach weiter zu fahren und darauf zu setzen, dass irgendwann die nächste Möglichkeit zum Abbiegen kommt. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, riskiere ich einen größeren Umweg. Ob ich tatsächlich umdrehe, ist Abwägungssache. Irgendwo zwischen Bequemlichkeit und Festhalten an der einmal eingeschlagenen Richtung, zwischen vorhandenen Möglichkeiten zum Wenden und der Befürchtung, mich ordentlich zu verfahren, entsteht gegebenenfalls die Motivation, umzudrehen.

Coronabedingt sind wir gerade in vielerlei Hinsichten zu Kehrtwenden gezwungen. Das bedeutet viele und teils schwer belastende Einschränkungen. Das zeigt aber auch, dass Änderungen unseres Lebensstils möglich sind. Zum Beispiel in ökologischer Hinsicht, wo sich die zur Zeit vorhandenen Einschränkungen durchaus positiv auswirken. Ob diese und andere, durch den Zwang der Situation bedingten positiven Veränderungen allerdings nachhaltig bleiben werden, ist fraglich.

In der Bibel, im Neuen Testament, gehört „Umkehr“ zu den Erfahrungen, die einen Menschen und sein ganzes Leben betreffen und verändern. Exemplarisch erzählt wird das von Zachäus, einem kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner. Als Jesus nach Jericho kommt, steigt Zachäus, um Jesus über die zusammengelaufene Menschenmenge hinweg sehen zu können, auf einen Maulbeerfeigenbaum. Und dort oben im Maulbeerfeigenbaum wird er von Jesus gesehen. Jesus fordert ihn auf, herunterzusteigen und lädt sich sozusagen bei Zachäus ein. Für den Zöllner ist das eine große Ehre, eine unverdiente Würdigung. Während die anderen wegen seiner Machenschaften mit Fingern auf ihn zeigen, sucht Jesus die Begegnung und das Gespräch. Und diese Erfahrung verändert den kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner Zachäus. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Da erfährt ein Mensch so etwas wie Seelenfrieden, Versöhnung mit sich und seiner Umwelt. Geschenkt in der Gottesbegegnung.

Die Umkehr des Zachäus ist durch die Erfahrung des Anerkanntwerdens, des Angenommenseins motiviert. Offensichtlich ist das eine Erfahrung, die einen Menschen berühren und veranlassen kann, eingefahrene Wege hinter sich zu lassen. Wenn wir von der Umkehr zum Frieden sprechen, die wir in unserer Welt der gewaltsamen Konflikte zwischen Völkern, des innergesellschaftlichen Unfriedens und des zerstörerischen Umgangs mit Gottes Schöpfung so dringend nötig haben, können wir vielleicht an dieser Erfahrung anknüpfen. Denn wir wie alle Menschen leben im Grund aus der Erfahrung geschenkten Anerkanntwerdens und Angenommenseins und wissen darum, dass es sich lohnt, mit sich und der eigenen Umwelt versöhnt zu leben. Angesichts dessen wäre die Aufgabe doch einfach, solche Erfahrungen des Versöhntseins ins Blickfeld zu rücken, uns selbst und anderen zu Herzen gehen zu lassen und dafür zu sorgen, dass wir uns auf solche Erfahrungen des Angenommenseins und Versöhntseins ausrichten.

Frau Dr. Dorothee Godel ist Oberkirchenrätin, Referentin für Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche in Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

„Wenn möglich, bitte wenden!“

Von  Dr. Dorothee Godel (Mai 2020)
(als pdf-Datei)

„Wenn möglich, bitte wenden“. Da habe ich die richtige Abzweigung verpasst und werde kurz darauf von meinem Navigationsgerät freundlich aber wiederholt dazu aufgefordert umzudrehen. Bequemer wäre es, einfach weiter zu fahren und darauf zu setzen, dass irgendwann die nächste Möglichkeit zum Abbiegen kommt. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, riskiere ich einen größeren Umweg. Ob ich tatsächlich umdrehe, ist Abwägungssache. Irgendwo zwischen Bequemlichkeit und Festhalten an der einmal eingeschlagenen Richtung, zwischen vorhandenen Möglichkeiten zum Wenden und der Befürchtung, mich ordentlich zu verfahren, entsteht gegebenenfalls die Motivation, umzudrehen.

Coronabedingt sind wir gerade in vielerlei Hinsichten zu Kehrtwenden gezwungen. Das bedeutet viele und teils schwer belastende Einschränkungen. Das zeigt aber auch, dass Änderungen unseres Lebensstils möglich sind. Zum Beispiel in ökologischer Hinsicht, wo sich die zur Zeit vorhandenen Einschränkungen durchaus positiv auswirken. Ob diese und andere, durch den Zwang der Situation bedingten positiven Veränderungen allerdings nachhaltig bleiben werden, ist fraglich.

In der Bibel, im Neuen Testament, gehört „Umkehr“ zu den Erfahrungen, die einen Menschen und sein ganzes Leben betreffen und verändern. Exemplarisch erzählt wird das von Zachäus, einem kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner. Als Jesus nach Jericho kommt, steigt Zachäus, um Jesus über die zusammengelaufene Menschenmenge hinweg sehen zu können, auf einen Maulbeerfeigenbaum. Und dort oben im Maulbeerfeigenbaum wird er von Jesus gesehen. Jesus fordert ihn auf, herunterzusteigen und lädt sich sozusagen bei Zachäus ein. Für den Zöllner ist das eine große Ehre, eine unverdiente Würdigung. Während die anderen wegen seiner Machenschaften mit Fingern auf ihn zeigen, sucht Jesus die Begegnung und das Gespräch. Und diese Erfahrung verändert den kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner Zachäus. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Da erfährt ein Mensch so etwas wie Seelenfrieden, Versöhnung mit sich und seiner Umwelt. Geschenkt in der Gottesbegegnung.

Die Umkehr des Zachäus ist durch die Erfahrung des Anerkanntwerdens, des Angenommenseins motiviert. Offensichtlich ist das eine Erfahrung, die einen Menschen berühren und veranlassen kann, eingefahrene Wege hinter sich zu lassen. Wenn wir von der Umkehr zum Frieden sprechen, die wir in unserer Welt der gewaltsamen Konflikte zwischen Völkern, des innergesellschaftlichen Unfriedens und des zerstörerischen Umgangs mit Gottes Schöpfung so dringend nötig haben, können wir vielleicht an dieser Erfahrung anknüpfen. Denn wir wie alle Menschen leben im Grund aus der Erfahrung geschenkten Anerkanntwerdens und Angenommenseins und wissen darum, dass es sich lohnt, mit sich und der eigenen Umwelt versöhnt zu leben. Angesichts dessen wäre die Aufgabe doch einfach, solche Erfahrungen des Versöhntseins ins Blickfeld zu rücken, uns selbst und anderen zu Herzen gehen zu lassen und dafür zu sorgen, dass wir uns auf solche Erfahrungen des Angenommenseins und Versöhntseins ausrichten.

Frau Dr. Dorothee Godel ist Oberkirchenrätin, Referentin für Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche in Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Tatorte des Friedens

Von Friedemann Müller (April 2020)

Umkehr zum Frieden – das ist das zentrale Thema der Ökumenischen Friedensdekade überhaupt. Darum geht es den Akteuren der Friedensdekade nun schon 40 Jahre lang. Aktuell ist dieses Anliegen nach wie vor. Und es trifft uns in vielen Dimensionen unseres Lebens: Ganz persönlich umkehren, als Gesellschaft umkehren und als Weltgemeinschaft umkehren hin zum Frieden. Das setzt voraus, dass wir der Friedenshoffnung trauen. Frieden ist möglich. Gemeint ist damit nicht nur die Abwesenheit von physischer und psychischer Gewalt. Frieden ist Schalom, ein lebendiger Prozess des respektvollen Ausgleichs von Interessen, Versöhnung und Handeln im Horizont der Gerechtigkeit. So ist Frieden gleichermaßen persönlich und politisch.

Geboten scheint diese Umkehr zum Frieden allemal. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spüren wir mehr denn je, die Notwendigkeit gemeinsam zu handeln, das Gegeneinander aufzugeben und Bedingungen zu schaffen, die auch den Kindern dieser Welt eine gute Zukunft versprechen. Frieden ist nachhaltig. Die großen Themen unserer Zeit wie die Verteilungsgerechtigkeit, Migrations-bewegungen, den Klimawandel und auch die Corona-Krise werden wir nur gemeinsam bewältigen. Das wird immer mehr Menschen klar.

Dann gibt es aber die anderen, die auf Rezepte alter Zeiten setzen, die Rüstungsausgaben erhöhen wie nie zuvor, die auf das Recht des Stärkeren setzen, die eine Ich-zuerst-Strategie zur ethischen Leitlinie erklären, die Grenzen dicht machen oder im Handstreich fremdes Land okkupieren, die Gesellschaften polarisieren und Hass säen, kurz, die den Kairos, die Zeichen der Zeit, nicht verstehen. Die Logik aber bleibt, was jemand sät, dass wird man ernten. Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Es gibt keinen anderen Weg. Also Umkehren, Abwenden von allem, was uns hindert am Weg der Gerechtigkeit, am Weg eines fairen Miteinanders, am Weg zu einem lebenswerten Morgen. Dann merken wir, dass es nicht nur die anderen sind, die Umkehr nötig hätten. Es ist auch eine Frage der persönlichen Gestaltung von Beziehungen, des persönlichen Umgangs mit den Ressourcen dieser Welt, des persönlichen Widerstands gegen die zerstörerischen Mächte unserer Zeit.

Umkehr das ist im christlichen Glauben mit dem alten Wort „Buße“ ausgedrückt. Traditionell gehören zur Buße die Einsicht in falsches Handeln, das leidenschaftliche Wollen eines anderen Verhaltens (Reue) und zuletzt die Verhaltensänderung, also das Einüben in ein tatsächlich anderes Verhaltens. Wenn wir so Umkehr zum Frieden verstehen, werden wir uns fragen, was wir als Gesellschaft und einzelne auf dem Weg zum Frieden neu verstehen müssen? Was muss sich dringend ändern? Worin liegt Zukunft? Antworten auf diese Fragen wären ein Anfang.  Buße als „umkehren in die offenen Arme Gottes“ (Martin Luther) zeigt das Ziel dieser Neuausrichtung an, die Verwandlung des Lebens hin zu einem neuen Lebenswandel. Deshalb kann Umkehr zum Frieden nicht stehen bleiben bei Appellen und Situationsanalysen. Sie muss Visionen entwickeln, ein leidenschaftliches Wollen und Tat werden. Die Friedensdekade ist ein guter Ort damit weiter zumachen und Tatorte des Friedens zu schaffen.

Friedemann Müller, geb. 1962, Dipl.-Religionspädagoge, viele Jahre als Jugendreferent tätig, heute Theologischer Studienleiter im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg

Tatorte des Friedens

Von Friedemann Müller (April 2020)

Umkehr zum Frieden – das ist das zentrale Thema der Ökumenischen Friedensdekade überhaupt. Darum geht es den Akteuren der Friedensdekade nun schon 40 Jahre lang. Aktuell ist dieses Anliegen nach wie vor. Und es trifft uns in vielen Dimensionen unseres Lebens: Ganz persönlich umkehren, als Gesellschaft umkehren und als Weltgemeinschaft umkehren hin zum Frieden. Das setzt voraus, dass wir der Friedenshoffnung trauen. Frieden ist möglich. Gemeint ist damit nicht nur die Abwesenheit von physischer und psychischer Gewalt. Frieden ist Schalom, ein lebendiger Prozess des respektvollen Ausgleichs von Interessen, Versöhnung und Handeln im Horizont der Gerechtigkeit. So ist Frieden gleichermaßen persönlich und politisch.

Geboten scheint diese Umkehr zum Frieden allemal. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spüren wir mehr denn je, die Notwendigkeit gemeinsam zu handeln, das Gegeneinander aufzugeben und Bedingungen zu schaffen, die auch den Kindern dieser Welt eine gute Zukunft versprechen. Frieden ist nachhaltig. Die großen Themen unserer Zeit wie die Verteilungsgerechtigkeit, Migrations-bewegungen, den Klimawandel und auch die Corona-Krise werden wir nur gemeinsam bewältigen. Das wird immer mehr Menschen klar.

Dann gibt es aber die anderen, die auf Rezepte alter Zeiten setzen, die Rüstungsausgaben erhöhen wie nie zuvor, die auf das Recht des Stärkeren setzen, die eine Ich-zuerst-Strategie zur ethischen Leitlinie erklären, die Grenzen dicht machen oder im Handstreich fremdes Land okkupieren, die Gesellschaften polarisieren und Hass säen, kurz, die den Kairos, die Zeichen der Zeit, nicht verstehen. Die Logik aber bleibt, was jemand sät, dass wird man ernten. Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Es gibt keinen anderen Weg. Also Umkehren, Abwenden von allem, was uns hindert am Weg der Gerechtigkeit, am Weg eines fairen Miteinanders, am Weg zu einem lebenswerten Morgen. Dann merken wir, dass es nicht nur die anderen sind, die Umkehr nötig hätten. Es ist auch eine Frage der persönlichen Gestaltung von Beziehungen, des persönlichen Umgangs mit den Ressourcen dieser Welt, des persönlichen Widerstands gegen die zerstörerischen Mächte unserer Zeit.

Umkehr das ist im christlichen Glauben mit dem alten Wort „Buße“ ausgedrückt. Traditionell gehören zur Buße die Einsicht in falsches Handeln, das leidenschaftliche Wollen eines anderen Verhaltens (Reue) und zuletzt die Verhaltensänderung, also das Einüben in ein tatsächlich anderes Verhaltens. Wenn wir so Umkehr zum Frieden verstehen, werden wir uns fragen, was wir als Gesellschaft und einzelne auf dem Weg zum Frieden neu verstehen müssen? Was muss sich dringend ändern? Worin liegt Zukunft? Antworten auf diese Fragen wären ein Anfang.  Buße als „umkehren in die offenen Arme Gottes“ (Martin Luther) zeigt das Ziel dieser Neuausrichtung an, die Verwandlung des Lebens hin zu einem neuen Lebenswandel. Deshalb kann Umkehr zum Frieden nicht stehen bleiben bei Appellen und Situationsanalysen. Sie muss Visionen entwickeln, ein leidenschaftliches Wollen und Tat werden. Die Friedensdekade ist ein guter Ort damit weiter zumachen und Tatorte des Friedens zu schaffen.

Friedemann Müller, geb. 1962, Dipl.-Religionspädagoge, viele Jahre als Jugendreferent tätig, heute Theologischer Studienleiter im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg

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