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Autor: Lars Blume

Komm, den Frieden wecken – Warum das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ aktueller ist denn je

Zum MDR-Beitrag vom 20. März 2025 über das Friedenszeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ der christlichen Friedensbewegung

Am 20. März 2025 rückte der MDR in einem vielbeachteten Beitrag das Symbol Schwerter zu Pflugscharen auch medial ins öffentliche Bewusstsein. Was als Aufnäher in der DDR begann, ist heute mehr als ein historisches Erinnerungsstück – es ist ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung, ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und das offizielle Logo der Ökumenischen FriedensDekade. Hier gehts zum Beitrag

Auf den diesjährigen Ostermärschen 2025 ist das Emblem in Reden aufgegriffen worden und verstärkt sichtbar gewesen: auf Transparenten, Buttons, Fahnen und Aufnähern. Menschen aller Generationen tragen es – als Ausdruck ihres Engagements für eine Welt ohne Krieg und als Erinnerung daran, dass Frieden nicht ohne Zeichen bleibt. 

Ein Symbol des Friedens, das Generationen verbindet – und heute aktueller ist denn je.

Als vor über vier Jahrzehnten das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“ die Friedensbewegung in der DDR prägte, ahnte kaum jemand, welch langes Leben dieses Bildmotiv einmal haben würde. Der evangelische Jugendpfarrer Harald Brettschneider brachte es in Umlauf – als Zeichen der Hoffnung, als Vision des gewaltfreien Widerstands, als Aufnäher auf Jacken junger Menschen, die sich nach Frieden sehnten.

Die zweite Friedensdekade 1981 brachte erstmals diese Zeichen in den öffentlichen Raum. Damals wie heute ging es um mehr als nur ein Logo: Es ging um den Mut zur Hoffnung. Um das Vertrauen in die Kraft der Gewaltfreiheit. Und um die Frage: Wie leben wir Frieden – trotz allem?

Gerade in Zeiten, in denen Symbole vereinnahmt und in widersprüchliche Kontexte gestellt werden – bei Demonstrationen, in politischen Diskussionen, auf Plattformen wie YouTube –, erinnert uns die FriedensDekade an den eigentlichen Kern dieser Bewegung: Frieden ist kein Besitz, sondern ein Weg. Ein gemeinschaftlicher Auftrag.

Ein Zeichen mit Geschichte – und Zukunft

Das Motiv geht auf eine Vision des Propheten Micha zurück:

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ (Micha 4,3).

In den 1980er Jahren wurde diese biblische Friedensverheißung in der DDR zur lebendigen Realität: Junge Menschen, Kirchenkreise und Friedensgruppen nähten das Zeichen auf ihre Kleidung, hielten es in die Luft und trugen es durch die Straßen – trotz staatlicher Repression. Es stand für Zivilcourage, für gewaltlosen Widerstand und für die Hoffnung auf eine Welt, in der Konflikte nicht mit Waffen, sondern mit Worten gelöst werden.

Heute ist das Symbol offiziell eingebettet in die FriedensDekade – als zentrales Erkennungszeichen der ökumenischen Bewegung, die jährlich im November zehntausende Menschen verbindet. Es steht für die Sehnsucht nach Frieden, für gemeinsames Handeln über Konfessionsgrenzen hinweg – und für das Vertrauen, dass Veränderung möglich ist.

Mit dem Kauf von Materialien mit dem Emblem „Schwerter zu Pflugscharen im Online-Shop der FriedensDekade unterstützen Sie direkt die Friedensarbeit – ideell und finanziell. Jeder Aufnäher, jeder Button, jede Postkarte trägt die Botschaft weiter und stärkt die Bewegung.

Komm, den Frieden wecken – durch Zeichen, Gebet und Engagement

Das diesjährige Motto „Komm, den Frieden wecken“ ist mehr als ein Aufruf: Es ist eine Einladung an uns alle, aktiv zu werden. In unseren Gemeinden, in der Öffentlichkeit, in Gesprächen, Gebeten und Zeichen.

Ein Aufruf an uns alle: Menschen, Gemeinden, Gemeinschaften und jede einzelne Stimme. Ein Ruf zur Besinnung auf die biblische Friedensverheißung, auf unser Miteinander, auf das, was uns eint – über Konfessionen, Länder und Meinungen hinweg. Lasst uns das Symbol von „Schwerter zu Pflugscharen“ in den Raum der Hoffnung verankern. In die Kraft der Gemeinschaft. In das lebendige Zeugnis, dass Frieden möglich ist – wenn wir ihn gemeinsam wecken.

Unterstützen Sie mit Ihrer Spenden die Bildungs- und Aktionsarbeit der ökumenischen FriedensDekade.

 

Jetzt ist die Zeit: Komm, den Frieden wecken.

Mit Zeichen, die verbinden. Mit Hoffnung, die trägt.

Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? – Neue EAK-Broschüre hilft jungen Menschen, ihren Weg zum Frieden zu finden

„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“

So steht es in Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes – ein Satz, der in Zeiten wachsender internationaler Spannungen, sicherheitspolitischer Neuausrichtungen und der Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht neue Brisanz gewinnt.

Junge Menschen in Deutschland stehen wieder vermehrt vor der Frage: Bin ich bereit, im Ernstfall zur Waffe zu greifen – oder wähle ich den Weg der Kriegsdienstverweigerung (KDV)? Was bedeutet überhaupt Verantwortung für den Frieden – persönlich, politisch und spirituell?

Antworten und Orientierung bietet die neu erschienene Broschüre „Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? Finde DEINEN Weg!“, die von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) herausgegeben wurde und auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2025 in Hannover Premiere hatte.

Die Publikation richtet sich insbesondere an junge Menschen, die sich in der aktuellen sicherheitspolitischen Lage mit ihrer eigenen Haltung zu Militär, Frieden und Gesellschaft auseinandersetzen wollen oder müssen.

Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Mitautorin der Broschüre und engagiert im Gesprächsforum der ökumenischen FriedensDekade, unterstreicht: „Der Weg zur Kriegsdienstverweigerung ist ein tief persönlicher und ethisch entscheidender. Es geht darum, auf das eigene Gewissen zu hören und sich bewusst zu machen, wie man für den Frieden einstehen kann.“

Ein Grundrecht mit Zukunft?

In der politischen Diskussion wird die Wehrpflicht derzeit wieder als sicherheitspolitisches Mittel erwogen – mit Blick auf die veränderte geopolitische Lage und einen „kriegsfähigeren Staat“. Damit rückt auch das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung verstärkt in den Fokus. Die neue Broschüre zeigt: Dieses Recht lebt vom informierten Gewissen – und der Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen.

Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der EKD, betont immer wieder die Bedeutung einer friedensethischen Orientierung. In öffentlichen Stellungnahmen verweist er auf die Verantwortung, die wir als Gesellschaft für Frieden und Verständigung tragen – insbesondere in einer Zeit wachsender Spannungen und der Debatte um die sogenannte „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands. Seine Perspektive macht deutlich: Fragen von Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung sind nicht nur juristische Entscheidungen, sondern betreffen das ethische Fundament unseres Zusammenlebens.

Impulse zum Nachdenken und Handeln

„Mein Weg“ liefert nicht nur rechtliche Grundlagen zur KDV, sondern bietet Reflexionsräume: Was ist das Gewissen? Was bedeuten Krieg und Frieden? Wie prägt mein Menschenbild meine Entscheidung? Interviews mit Wehrdienstleistenden und Kriegsdienstverweigerern sowie Erfahrungsberichte aus der KDV-Beratung geben authentische Einblicke.

Mit einem besonderen Blick auf die Rolle von Religion, Geschlechterrollen und friedensethisches Denken hilft die Broschüre, sich eine eigene, informierte Meinung zu bilden. Die Autor:innen Sabine Müller-Langsdorf und Gregor Rehm verbinden dabei juristisches Wissen mit Impulsen aus der kirchlichen Friedensarbeit.

FriedensDekade 2025: Komm den Frieden wecken

Gerade in diesem Jahr bekommt das Thema eine zusätzliche Dimension. Die ökumenische FriedensDekade steht 2025 unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“. Ein Aufruf, der nicht nur symbolisch gemeint ist, sondern junge Menschen konkret einlädt, sich mit Frieden und Gewaltfreiheit auseinanderzusetzen – auch in Abgrenzung zur Logik des Militärischen.

Sabine Müller-Langsdorf bringt es auf den Punkt: „Frieden beginnt, wo Menschen den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen – mit Gewissen, mit Haltung und mit Hoffnung.“

Dieses Motto schlägt eine Brücke zwischen Gewissensentscheidung und gesellschaftlicher Verantwortung. Kriegsdienstverweigerung wird hier nicht als Rückzug, sondern als aktiver Beitrag zu einer friedlicheren Welt verstanden.

Broschüre kostenlos online

Die Broschüre „Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? Finde DEINEN Weg!“ steht unter folgendem Link kostenlos zum Download bereit: https://www.eak-online.de/system/files/2025-04/kdv_friedensbroschuere_finde_deinen_weg.pdf

Ob für Schule, Gemeindegruppe oder individuelle Reflexion – sie ist ein starkes Werkzeug für alle, die ihre Haltung zum Frieden klären wollen.

FriedensDekade stärken – Komm den Frieden wecken!

Die ökumenische FriedensDekade lebt von Engagement, Beteiligung und Solidarität. Jede Stimme, jede Aktion und jede Spende trägt dazu bei, die Friedensbotschaft sichtbar und hörbar zu machen – in Kirchen, Schulen, auf Plätzen und in digitalen Räumen.

Unterstützen Sie die FriedensDekade aktiv: Starten Sie eigene Aktionen vor Ort – sei es ein Friedensgebet, eine Podiumsdiskussion, ein Workshop oder eine künstlerische Intervention. Lassen Sie uns von Ihren Aktionen wissen unter Kontakt@friedensdekade.de

Nutzen Sie die Materialien im Webshop der FriedensDekade – vom Plakat bis zur Postkarte, vom Themenheft bis zum Jugendimpuls. Alles hilft, das Motto „Komm den Frieden wecken“ weit zu tragen.

Mit einer Spende stärken Sie die inhaltliche Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Koordination – und setzen ein Zeichen für eine friedensfähige Gesellschaft.

Jetzt mehr erfahren und aktiv werden unter: www.friedensdekade.de

Frieden beginnt bei dir – und gemeinsam können wir ihn laut und kraftvoll wecken.

Christlicher Friedensruf 2025: Ein starker Aufruf zu Frieden, Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit

Am 1. Mai 2025 wurde im Rahmen der Friedenssynode in Hannover ein bedeutsames Signal gesetzt: Der „Christliche Friedensruf Hannover 2025“ wurde verabschiedet. Der Ruf entstand aus einem intensiven ökumenischen Prozess, getragen von Einzelpersonen und Gruppen aus verschiedenen christlichen Kirchen und Friedensinitiativen. Ziel ist es, dem zunehmenden Ruf nach „Kriegstüchtigkeit“ eine klare, christlich begründete Alternative entgegenzustellen – hin zu echter Friedensfähigkeit.

Christlicher Friedensruf 2025 veröffentlicht – Aufruf zur Friedensfähigkeit

Die Friedenssynode fand im Rahmen des Ökumenischen Friedenszentrums während des Deutschen Evangelischen Kirchentags statt. Eingeladen hatten unter anderem pax christi, die Initiative Christlicher Friedensruf sowie weitere kirchliche und zivilgesellschaftliche Akteure. Eröffnet wurde die Synode von Margot Käßmann und Susanne Büttner, gefolgt von intensiven Diskussionen und Beratungen im Plenum und in Gruppen.

Der Friedensruf steht – ein Signal der Ermutigung

Mit dem heute veröffentlichten Friedensruf liegt nun ein klarer Aufruf vor: Christinnen und Christen sind eingeladen, ihren Glauben als Grundlage für gewaltfreies Handeln, diplomatisches Engagement und eine gerechte, friedensfördernde Wirtschaft zu verstehen und zu leben.


Friedensfähig werden!

Friedensruf von Christinnen und Christen

Friedenssynode Hannover, 1. Mai 2025

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ lautet die Lehre daraus. Jetzt ist erneut von „Kriegstüchtigkeit“ die Rede. Jesus Christus aber sagt: „Selig sind, die Frieden stiften“. Die aktuellen Kriege sind für uns eine Mahnung zur Umkehr. Gottes Wort ruft uns, friedensfähig zu werden.

1. Du sollst nicht töten! (2. Mose 20,13)

Das Tötungsverbot gilt auch angesichts von Krieg und Gewalt. In jedem getöteten Menschen stirbt ein Ebenbild Gottes. Wir können keine Waffen auf andere Menschen richten, weil wir „damit die Waffen auf Christus selbst richteten“ (Dietrich Bonhoeffer).

2. Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen! (Matthäus 5,44)

Es wird gesagt, Aggressoren müssten auf dem Schlachtfeld besiegt oder militärisch zu Verhandlungen gezwungen werden. Jesus Christus mutet uns jedoch zu, unsere Feinde zu lieben. Das bedeutet nicht, Unrecht und Aggression hinzunehmen. Doch es verlangt, sich von vereinfachendem Gut-Böse-Denken zu lösen und die eigene Mitverantwortung für die Entwicklung von Konflikten zu erkennen.

3. Denn uns ist ein Kind geboren, ein … Friedefürst. (Jesaja 9,5)

Es wird gesagt, wir erlebten eine Zeitenwende, die eine Politik der militärischen Stärke erfordere. Für uns hat sich die Zeitenwende in Jesus Christus ereignet. Wir setzen nicht auf die Gewalt der Waffen, sondern auf Diplomatie und gewaltfreien Widerstand.

4. Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch. (Matthäus 20,25f)

Es wird gesagt, Menschen zum Kriegsdienst zu zwingen sei legitim, um Freiheit und Menschenrechte zu verteidigen. Unsere Solidarität aber gilt allen, die den Kriegsdienst verweigern oder sich ihm entziehen. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht.

5. Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen. (Matthäus 26,52)

Es wird gesagt, Gewaltverzicht sei naiv, unrealistisch und unvernünftig. Jesus aber lehrt uns die Vernunft eines Gewaltverzichts, der die Spirale der Eskalation durchbricht. Krieg produziert ungezählte Tote, Verletzte, Vertriebene und Traumatisierte. Er bedroht das Leben auf unserer Erde, bis hin zur atomaren Vernichtung. Darum treten wir ein für die Rückkehr zur Abrüstung und den Verzicht auf Rüstungsexporte.

6. Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird Ruhe und Sicherheit sein auf ewig. (Jesaja 32,17)

Es wird gesagt, die Wirtschaft müsse wachsen. Dies führt ökologisch und sozial in eine Sackgasse. Der Wettstreit um Ressourcen führt heute schon zu Kriegen. Die Folgen sind verheerend, vor allem für den globalen Süden. Jesus Christus jedoch hat das Teilen und die Rücksichtnahme gelehrt. Voraussetzung für den Frieden ist eine Wirtschaft, die das Gemeinwohl sowie den Umwelt- und Klimaschutz in den Mittelpunkt stellt.

7. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Speere zu Sicheln … und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Micha 4,3)

Es wird gesagt, wir müssten kriegstüchtig werden und Frieden durch Aufrüstung sichern. Wir aber wollen friedensfähig werden. Geld, Zeit, Kreativität und andere Ressourcen müssen in die soziale, kulturelle und ökologische Transformation investiert werden statt in Waffen und Krieg. Wer Frieden will, muss Frieden üben. Wir beten und arbeiten für eine Kirche, die den Frieden Jesu Christi bezeugt und ausbreitet. Wir treten ein für eine Welt ohne Gewalt. Wir ermutigen uns gegenseitig zu einer Praxis des Friedens – im Vertrauen auf Gottes Frieden.

Der Friedensruf ist eine Einladung zur Umkehr. Er erinnert daran, dass der Glaube an Jesus Christus eine konsequente Absage an Gewalt bedeutet – und ruft uns dazu auf, den Frieden nicht nur zu fordern, sondern ihn im Alltag, in Kirche und Gesellschaft zu leben.


Ökumenische FriedensDekade auf dem Markt der Möglichkeiten

Wer mehr über den Friedensruf und das Engagement für Frieden erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, die FriedensDekade beim Kirchentag zu besuchen:
Halle 5, Stand K30 – Markt der Möglichkeiten

Hier könnt ihr euch informieren, mitdiskutieren und euch für eine friedlichere Welt inspirieren lassen. Gemeinsam wollen wir den Frieden groß werden lassen.

Komm den Frieden wecken

Lasst uns laut, sichtbar und mutig sein – für einen glaubwürdigen, christlich begründeten Pazifismus, der Hoffnung stiftet.

Kirchentag 2025 in Hannover: Frieden wecken statt Kriege führen

Kirchentag Hannover 2025: Frieden leben – von der Tradition zur Zukunft

Wenn Hannover vom 30. April bis 4. Mai 2025 Gastgeber des 39. Deutschen Evangelischen Kirchentages wird, steht eines im Mittelpunkt: Frieden. Diese Ausrichtung kommt nicht von ungefähr – sie hat Tradition. Denn in Hannover wurden Kirchentage immer wieder zu eindrucksvollen Friedenszeichen. Schon 1983, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, war es ein Kirchentag in dieser Stadt, der mit dem Motto „Umkehr zum Leben – Es ist genug für alle da“ eine mutige Botschaft gegen Aufrüstung, Atomwaffen und soziale Ungleichheit formulierte. Diese friedenspolitische Haltung ist in Hannover bis heute lebendig – und aktueller denn je.

Friedensimpulse im offiziellen Programm des Kirchentag 2025 in Hannover

Das offizielle Programm des Kirchentages 2025 ist so vielfältig wie die Menschen, die es gestalten. Auch um das Thema Frieden wird ein umfassendes inhaltliches Angebot geschaffen, das dazu einlädt, sich mit Fragen von Gewaltfreiheit, Friedensethik und politischem Handeln auseinanderzusetzen.

Den Auftakt macht das große Podium „Beherzt für den Frieden – Gewaltfreiheit wagen“, das am Donnerstag in der historischen Marktkirche stattfindet. Internationale Stimmen aus Belarus, Italien, Kroatien und den Niederlanden geben Einblick in zivilgesellschaftliches Engagement und gewaltfreien Widerstand. Kontrovers und politisch wird es am Freitag bei der Podiumsdiskussion „Mit Waffen Frieden schaffen?“ in Halle 4, wo Vertreter:innen aus Politik, Bundeswehr und Friedensbewegung miteinander ins Gespräch kommen – unter anderem mit Generalleutnant a.D. Alfons Mais von Sandrart. Und am Samstag steht mit Margot Käßmann eine prominente Stimme des Friedens auf dem Podium „Frieden kommt nicht von allein“.

  • Beherzt für den Frieden – Gewaltfreiheit wagen
      Do, 11:00–12:30, Marktkirche
      Ökumenisches Podium mit Stimmen aus Kroatien, Italien, Belarus & den Niederlanden

  • Deutsche Zerrissenheit – Mit Waffen Frieden schaffen?
      Fr, 11:00–12:30, Halle 4, Messe
      Podium zur Zeitenwende, Sicherheit und Militär

  • Frieden kommt nicht von allein – Hauptpodium
      Sa, 15:00–17:00, Halle 2, Messegelände
      Mit Margot Käßmann und Generalleutnant von Sandrart

  • Globalisierung am Ende? Deutscher Wohlstand in Zeiten von Krieg & Krisen
      Sa, 15:00–17:00, Halle 17

  • Mal nach dem Rechten sehen – Kirchliches Engagement gegen Rechtsextremismus
      Fr, 15:00–17:00, Halle 2, Messe

Neben diesen großen Bühnenformaten gibt es eine Vielzahl interaktiver Angebote: Workshops zur Friedensbildung, Argumentationstrainings gegen Rechtspopulismus und ein interreligiöses Programm von Coexister Deutschland rücken gesellschaftliche Herausforderungen in den Mittelpunkt. Besonders Jugendliche finden in kreativen Formaten wie dem Graphic-Novel-Workshop „Gegen mein Gewissen“ oder bei Friedensgebeten einen niederschwelligen Zugang zu komplexen Themen.

  • „Wie geht Frieden?“ – Interreligiöse Friedenserziehung
      Do & Fr, 17:00–18:30, Haus der Religionen
      Sa, 17:00–18:30 mit Expert:innen aus Islam & Christentum

  • Als Christ:in Soldat:in sein – geht das?
      Do, 15:00–16:00, VHS

  • Menschlichkeit im Krieg bewahren – Ukraine-Hilfe
      Sa, 11:00–12:30, VHS

  • Alternativen zu Krieg und Militär – Zivile Konfliktbearbeitung
      Sa, 13:00–14:30, VHS

  • Mit Friedenshoffnung & politischer Nüchternheit
      Sa, 17:00–18:30, VHS

  • Stark sein gegen Rechtsextremismus – Gewaltfrei handeln
      Fr, 11:00–12:30, VHS

  • Planspiel: Friedensgebot und Rüstungsexporte
      Fr, 14:00–15:30, Messegelände

  • Seid mit dem Herzen stark! Gewaltfreiheit als Haltung
      Fr, 17:00–18:30, VHS

Auch theologisch wird der Frieden reflektiert: In Bibelarbeiten, Gesprächsformaten zur Militärseelsorge und dem ökumenischen Gottesdienst „Mutig, stark, beherzt den Frieden wagen“ mit Bischöfin Kirsten Fehrs wird deutlich, dass Frieden kein Randthema der Kirche ist – sondern ihr Kern.

  • Imagine Peace – Gedenken an Länder im Krieg
      Do, 16:00–17:00, St. Clemens, mit Sant’Egidio

  • Friedensgottesdienst: „Mutig, stark, beherzt den Frieden wagen“
      Fr, 13:30–14:30, St. Johannis

  • Entfeindet euch! – Lesung
      Do, 11:30–12:30, Künstlerhaus

  • Chorkonzert: „Komm, wir singen für den Frieden!“
      Fr, 15:30–17:00, Gartenkirche

Auswahl mit Schwerpunkt „Frieden“ – Dank an die AGDF für die Zusammenstellung

Die Ökumenische FriedensDekade: Präsenz und Zeichen setzen

Mit einem eigenen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten ist auch die Ökumenische FriedensDekade auf dem Kirchentag vertreten. Hier können Besucher nicht nur Materialien zum Motto „Komm den Frieden wecken“ entdecken, sondern auch ins Gespräch kommen – über Erfahrungen aus der Gemeindearbeit, über aktuelle politische Entwicklungen und darüber, wie Christen heute sichtbar Friedenszeichen setzen können.

Ob Postkarten, Aufnäher oder Buttons: Die Friedenszeichen der FriedensDekade tragen sich leicht – aber senden eine klare Botschaft. Wer noch nicht bestellt hat, kann dies direkt im Shop der FriedensDekade tun: www.friedensdekade.de/shop

Parallelveranstaltung: Das Ökumenische Friedenszentrum in der Innenstadt

Parallel zum Kirchentag wird vom 1. bis 3. Mai 2025 in den Verdi Höfen (in der Innenstadt von Hannover) das Ökumenische Friedenszentrum tagen. Die Aktion „friedensfähig statt kriegstüchtig“, initiiert unter der Schirmherrschaft von Margot Käßmann, versteht sich als kritischer Begleiter des Kirchentags – und als visionäre Kraft.

Im Gemeindehaus St. Marien wird ein Ort geschaffen, an dem gewaltfreie Alternativen zur aktuellen Aufrüstungslogik im Mittelpunkt stehen. Workshops zu ziviler Konfliktbearbeitung, Trainings in gewaltfreier Kommunikation sowie Erfahrungsberichte über Friedensdienste im In- und Ausland machen das Friedenszentrum zu einem praktischen Labor für Konfliktlösung ohne Waffen.

Theologisch wird mit Bibelarbeiten – etwa zu Römer 13,11 „Die Stunde ist da“ – und kontroversen Diskussionen über Militärseelsorge und Wehrpflicht die Frage nach dem friedensethischen Selbstverständnis der Kirchen gestellt. Kunstaktionen, Ausstellungen historischer Friedensplakate und ein Poetry Slam mit dem Titel „Worte statt Waffen“ machen deutlich: Hier geht es nicht nur um Theorie, sondern um Inspiration und Engagement.

Wer das Friedenszentrum besucht, wird erleben, wie Kirche und Zivilgesellschaft gemeinsam Visionen entwickeln – für eine friedensfähige Gesellschaft, jenseits nationaler Sicherheitsstrategien.

  • Datum: 1.–3. Mai 2025
  • Veranstaltungszentrum „ROTATION“ in den ver.di-Höfen, Hannover
  • Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Highlights im Programm:

Donnerstag, 1. Mai – Friedenssynode & Auftakt

  • Bibelarbeit „Liebet eure Feinde!“ mit Margot Käßmann

  • Konsultationen & Verabschiedung des „Christlichen Friedensrufs Hannover 2025“

  • Vortrag von Jochen Cornelius-Bundschuh: „Gottes Friedensbewegung und unsere Schritte“

  • Politisches Abendgebet

Freitag, 2. Mai – Friedensethik & praktische Impulse

  • Bibelarbeit mit Bischof Friedrich Kramer

  • Workshops zu Gewaltfreier Kommunikation, Kapitalismus & Krieg, Friedensinitiativen u.v.m.

  • Vortrag von Prof. Dr. Fernando Enns zur „Theologie der Gewaltfreiheit“

  • Musikalische Lesung „Entrüstet Euch“ mit Margot Käßmann

Samstag, 3. Mai – Biblische Friedensbilder & Abschluss

  • Bibelarbeit mit Prof. Dr. Klara Butting: „Friede – die Mutter aller Wesen“

  • Workshops zu Friedensbildern, sozialen Verteidigungsformen, US-Raketenstationierung in Europa

  • Segensreicher Abschluss mit geistlicher Stärkung

Prominente Mitwirkende: Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (Schirmfrau); Bischof Friedrich Kramer (Friedensbeauftragter EKD); Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (AGDF); Prof. Dr. Fernando Enns (Theologie der Friedenskirchen); Prof. Dr. Klara Butting (Woltersburger Mühle)

Das Friedenszentrum versteht sich als unabhängige Stimme – organisiert von über 25 Friedensorganisationen aus Kirche, Wissenschaft & Zivilgesellschaft.

Warum Hannover 2025 unverzichtbar ist

Angesichts weltweiter Kriege, wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und einer erschütternden Rhetorik der Aufrüstung ist der Kirchentag 2025 ein notwendiger Ort. Ein Ort der Hoffnung, des Diskurses und des Widerstands gegen das scheinbar Unvermeidliche. Hannover wird dabei nicht nur zur Gastgeberstadt – sondern zum lebendigen Symbol christlicher Friedensarbeit. Der Dreiklang aus offiziellem Programm, Friedenszentrum und zivilgesellschaftlichen Akzenten zeigt: Friedensfähigkeit ist nicht naiv, sondern notwendig.

Ob bei den großen Podien in den Messehallen, beim Friedensgebet in der Gartenkirche oder im kreativen Austausch mit Aktiven der FriedensDekade – die Einladung steht: Kommt nach Hannover. Kommt ins Gespräch. Kommt den Frieden wecken.

Externe Links:

Programm und Informationen zum Kirchentag: https://www.kirchentag.de

Friedenszentrum und Programmübersicht: Ökunemisches Friedenszentrum 

In Gedenken an Papst Franziskus – Ein Leben für den Frieden

Am Ostermontag, dem 21. April 2025, ist Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren verstorben. Die ökumenische FriedensDekade trauert um einen Papst, der über ein Jahrzehnt lang mit großer Entschlossenheit, Demut und Weitsicht für Frieden, Gerechtigkeit und die Einheit der Menschheitsfamilie eingetreten ist. Sein Pontifikat war geprägt von klaren Worten gegen Krieg und Gewalt, einer tiefen Spiritualität der Geschwisterlichkeit und einem mutigen Eintreten für die Armen, Ausgegrenzten und Unterdrückten – weltweit. In Erinnerung bleibt weit mehr als das Schlussgebet aus der Enzyklika „Laudato si – „Über die Sorge für das gemeinsame Haus (2015) von Papst Franziskus zum Thema Umwelt und Entwicklung. 

„Frieden wird niemals mit Waffen geschaffen…“

In seinem letzten öffentlichen Auftritt – dem traditionellen Urbi et Orbi-Segen am Ostersonntag, dem Tag vor seinem Tod – rief Papst Franziskus noch einmal mit eindringlichen Worten zum Frieden auf. In seiner Osterbotschaft sagte er:

„Frieden wird niemals mit Waffen geschaffen,
sondern indem man die Hände ausstreckt und die Herzen öffnet.“

Diese Worte stehen exemplarisch für den Geist seines Pontifikats. Immer wieder appellierte Franziskus an die Weltgemeinschaft, Konflikte nicht mit militärischer Gewalt zu lösen, sondern Wege des Dialogs, der Versöhnung und der sozialen Gerechtigkeit zu gehen. Für ihn war Frieden keine politische Option, sondern eine geistliche Pflicht – ein Ausdruck der göttlichen Liebe zu allen Menschen.

Papst Franziskus: Stimme des Gewissens in einer friedlosen Welt

Papst Franziskus war für viele Menschen weltweit eine moralische Autorität. Insbesondere in Zeiten großer globaler Krisen – wie dem Krieg in der Ukraine, den Konflikten im Nahen Osten oder der wachsenden Bedrohung durch den Klimawandel – sprach er unbeirrt von einer „Kultur des Friedens“. Er kritisierte die weltweite Rüstungsindustrie scharf, forderte Abrüstung, internationale Zusammenarbeit und einen neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Sein Eintreten für den Frieden zeigte sich in vielen Gesten: von seinen stillen Gebeten an Orten der Gewalt bis hin zu seinen klaren Stellungnahmen bei den Vereinten Nationen. Der Dialog mit allen – mit Gläubigen und Nichtgläubigen, mit religiösen Führer*innen weltweit, mit politischen Entscheidungsträgern – war für ihn kein Mittel, sondern Voraussetzung für den Frieden.

Ökumene und interreligiöser Dialog: Frieden durch Einheit

Ein besonderes Anliegen war Papst Franziskus die Ökumene. Mit tiefem Respekt und offener Herzlichkeit begegnete er Vertreter*innen anderer christlicher Konfessionen und Religionen. Seine historische Begegnung mit dem Patriarchen Bartholomäus I. in Jerusalem oder seine Zusammenarbeit mit protestantischen Kirchenleitungen, etwa bei gemeinsamen Friedensaufrufen, stehen beispielhaft für seine Überzeugung: Der Weg zum Frieden führt über die Einheit in der Vielfalt.

Auch im interreligiösen Dialog – etwa mit muslimischen und jüdischen Gemeinden – suchte er stets das Verbindende. Sein Engagement war getragen von der Überzeugung, dass echter Glaube niemals Gewalt rechtfertigen kann.

Ein Vermächtnis für die Friedensbewegung

Papst Franziskus hat der weltweiten Friedensbewegung wertvolle Impulse gegeben – theologisch, spirituell und praktisch. Seine Botschaften zum Weltfriedenstag, seine Umwelt-Enzyklika Laudato si’, seine Reden zu Menschenrechten, Migration und Klimagerechtigkeit – all das bleibt als bleibender Auftrag für eine Kirche und eine Zivilgesellschaft, die sich aktiv und wirksam für den Frieden einsetzen wollen.

Die ökumenische FriedensDekade erinnert mit großer Dankbarkeit an diesen Papst. Sein Leben und Wirken bestärken uns in unserem Anliegen, unter dem diesjährigen Motto Komm den Frieden wecken im November – und darüber hinaus – Zeichen zu setzen für eine friedlichere Welt.

Papst Franziskus & Frieden – ein untrennbares Vermächtnis

Wer heute nach einem Beispiel sucht für gelebte Friedensverantwortung, für ökumenischen Geist und den Mut zur Klarheit, findet es in Papst Franziskus. Möge sein Erbe weiterwirken – in der Friedensbewegung, in den Kirchen und in jedem Herzen, das sich berühren lässt von der Vision einer Welt ohne Krieg.

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