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Autor: Lars Blume

Frieden im Dialog: Kunst als Weckruf

Ein Gespräch mit Sebastian Schmidt und Lars Blume über das Motiv der FriedensDekade 2025 und wie Kunst als Weckruf dient.

Frieden im Dialog: Kunst als Weckruf: In unsere Serie „Frieden im Dialog“ möchten wir die Menschen und Ideen hinter der FriedensDekade sichtbar machen. In regelmäßigen Gesprächen kommen Menschen aus dem Gesprächsforum, Redaktionskreis oder anderen Funktionen zu Wort, teilen ihre Perspektiven und geben Einblicke in die Arbeit, die die FriedensDekade so lebendig macht.

Ob persönliche Geschichten, Visionen oder die Auseinandersetzung mit dem Wandel in der Friedensarbeit – dieser Dialog lädt ein, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie Frieden gestaltet werden kann.

Heute im Gespräch: Sebastian Schmidt, Gewinner des diesjährigen Motivwettbewerbs der FriedensDekade, trifft sich mit Lars Blume vom Organisationsteam zu einem Austausch über Kunst und Friedensarbeit. Sebastian Schmidt, der diesjährige Gewinner des Motivwettbewerbs der FriedensDekade, ist verheiratet, Vater zweier Kinder und lebt in Obertshausen. Als Dipl. Grafikdesigner, der als Senior Artdirektor tätig ist, bringt er seine professionelle Expertise und persönliche Überzeugung in die Gestaltung des offiziellen Plakatmotivs ein. Im Gespräch geht es um die Entstehung des Motivs, die Wirkung von Kunst in der Friedensarbeit und wie ein Plakat Menschen zum Nachdenken anregen kann. Sebastian erzählt, was ihn bewegt hat und welche Gedanken hinter seiner Gestaltung stehen.

Das Motiv: Frieden sichtbar machen

Lars: Sebastian, dein Gewinnermotiv zeigt eine Megafon mit einer Friedenstaube – ein starkes Bild! Was war dein erster Gedanke, als du das Motto „Komm den Frieden wecken“ gehört hast?

Sebastian: Dass wir einen richtigen Weckruf brauchen! Die Taube ist das universelle Friedenssymbol, aber das Megafon steht für die Dringlichkeit: Frieden muss laut eingefordert werden. Viele Menschen sind müde geworden angesichts der Kriege – da wollte ich ein Motiv schaffen, das aufrüttelt.

Lars: Ein sehr spannender Ansatz. Die Kombination aus vertrautem Symbol und neuer Aussagekraft…

Sebastian: Genau, das rote Megafon ist das Zentralsymbol für das Aufwecken unserer Gesellschaft. Um dem Motiv eine positive, laute, lebendige Note zu verleihen, fliegen bunte Konfettifontänen mit der Taube zusammen heraus.

Lars: Die Farbwahl ist ja auch sehr klar…

Sebastian: Die benutzen Farben haben ihren Ursprung im Corporate Design der FriedensDekade – Blau, Rot, Weiß. Rotes Megafon, weiße Taube, blauer Hintergrund. Ich bin ein Freund der leicht verständlichen und schnellen Bildsprache.

Lars: Du hast bewusst mit KI gearbeitet. Warum dieser Ansatz?

Sebastian: Ich wollte dieses Jahr unbedingt etwas mit KI machen. Vorher habe ich mir aber ganz „klassisch“ Gedanken darüber gemacht, wie ich das Motto grafisch passend darstellen könnte und wie es visuell zum Gesamtauftritt der Friedensdekade passen könnte. Für mich ist daher KI nur ein Mittel zum Zweck und stellt eine willkommene Arbeitserleichterung bei der finalen Umsetzung einer „menschlichen“ Idee dar. Frieden braucht klare Bilder, die jeder sofort versteht. Das Konfetti aus dem Megafon soll zeigen: Frieden ist nicht nur Protest, sondern auch Lebensfreude!

Lars: Wie siehst du die Wirkung, die dein Motiv entfalten soll?

Sebastian: In erster Linie soll das Plakatmotiv die Motto-Headline aufmerksamkeitsstark kommunizieren. Es soll hochwertig und professionell wirken, denn es geht um eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft.

Lars: Das spricht mir aus der Seele. Kunst kann ja oft, was reine Worte nicht schaffen…

Sebastian: Kunst ist eine sinnliche Ausdrucksform, um Menschen für Friedensarbeit zu sensibilisieren. Sie kann auf überraschende Weise neue Zugänge schaffen, abseits von Zahlen und Fakten.

„Wie Kunst den Frieden weckt: Ein lebendiger Austausch zwischen Künstler und Aktivist“

Lars: Sebastian, wenn ich dein Motiv mit der Friedenstaube und dem Megafon betrachte, spüre ich sofort diese kraftvolle Dynamik. Wie bist du eigentlich auf diese ungewöhnliche Verbindung gekommen?

Sebastian: lacht Ja, die Taube allein wäre mir zu brav gewesen. Irgendwie spiegelt sie ja oft nur unsere Sehnsucht wider, ohne uns wirklich in Bewegung zu bringen. Das Megafon dagegen… das ist ein Werkzeug, das nach Aktion schreit. Genau dieses Spannungsfeld interessierte mich.

Lars: Das erklärt, warum das Motiv so unmittelbar wirkt. Ich erlebe in unserer Friedensarbeit oft, wie schwer es für manche Menschen ist, ihre Passivität abzulegen. Dein Kunstwerk scheint genau da anzusetzen…

Sebastian: Absolut. Aber weißt du, was mir dabei wichtig war? Dass der Aufruf zum Frieden nicht nur als Pflichtübung daherkommt. Die bunten Konfetti-Elemente sollen zeigen: Friedensarbeit kann auch Freude machen, kann lebendig sein. Ihr nutzt das Motiv ja für die ganze FriedensDekade. Wie übersetzt ihr solche künstlerischen Impulse in praktische Arbeit?

Lars: Gute Frage! Dein Plakat wird bundesweit in Gemeinden hängen – es ist quasi das „Aushängeschild“ unserer Kampagne. Aber wir ergänzen es mit Materialien, die zum Mitmachen einladen: Zum Beispiel mit Postkarten, die Menschen selbst beschriften und verschicken können. Kunst öffnet Herzen, aber dann braucht es konkrete Handlungsoptionen. Die Materialien rund um das Gewinnermotiv gibt es im Shop

Sebastian: Genau das gefällt mir an der FriedensDekade: Sie bleibt nicht bei Symbolen stehen. Wie reagieren die Leute auf das Motto?

Lars: Sehr unterschiedlich! Manche fragen: „Warum wecken? Ist Frieden etwa eingeschlafen?“ Da wird dann diskutiert, wie wir alle im Alltag friedensfähiger werden können. Dein Motiv hilft, diese Gespräche anzustoßen. Kunst kann ja oft, was reine Worte nicht schaffen…

Sebastian: Das erinnert mich an Michelangelo, der sagte: „Kunst hat die Aufgabe wachzuhalten, was für uns Menschen so von Bedeutung und notwendig ist.“ Genau das versuche ich mit dem Motiv – den Frieden als etwas zu zeigen, das nicht selbstverständlich ist, sondern unserer ständigen Aufmerksamkeit bedarf

Lars: Glaubst du, dass Kunst wirklich gesellschaftlichen Wandel bewirken kann?

Sebastian: Kunst kann durch ihre Freiheit jedem Thema enorme Aufmerksamkeit verschaffen. Das bringt Denkanstöße und lässt Menschen ungewollt in Austausch treten. In der Friedensförderung können so Sachverhalte kreativ inszeniert werden.

Persönliche Zugänge

Lars: Du hast erwähnt, dass dich die aktuellen Kriege als Familienvater bewegen. Wie geht ihr zuhause mit dem Thema um?

Sebastian: Meine Kinder (12 und 19) sehen ja auch Nachrichten. Wir versuchen, ihnen zu erklären: „Frieden fängt bei uns an – wie wir streiten und uns wieder vertragen.“ Aber deine Frage ist spannend: Wie vermittelt ihr bei der FriedensDekade zwischen globalen Krisen und persönlichem Handeln?

Lars: Indem wir Geschichten erzählen – wie die von der Gemeinde, die ihr Friedensgebet mit einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie gestaltet hat. Oder den Schulprojekten, wo Jugendliche über „Frieden 2.0“ diskutieren. Dein Plakat und das Motto werden zum Türöffner für einen wertschätzenden Austausch!

Sebastian: Das gefällt mir. Kunst sollte nie im Museum enden, sondern im echten Leben weiterwirken. Besonders beim Thema Frieden…

Lars: …wo jede Generation ihre eigenen Ausdrucksformen finden muss. Was würdest du jungen Künstlern raten, die sich mit Friedensthemen beschäftigen wollen?

Sebastian: Ehrlich gesagt: Keine Angst vor Klischees zu haben! Die Taube ist nicht ausgelutscht – sie wartet nur darauf, neu interpretiert zu werden. Wie in meinem Fall durch das Megafon…

Lars: Diesen Mut zur Umdeutung brauchen wir auch in der Friedensarbeit selbst. Vielleicht sollten wir öfter solche ungewöhnlichen Perspektiven wagen…

Einladung zum Mitgestalten

Sebastian: Was wünscht ihr euch von den Menschen, die das Motiv sehen?

Lars: Dass sie sich angesprochen fühlen! Ob jemand das Plakat in der Kirche aufhängt, mit Schulklassen darüber redet oder selbst kreativ wird – jeder Beitrag zählt. Übrigens: Wir sammeln auf friedensdekade.de auch Fotos von Aktionen mit deinem Motiv.

Sebastian: Das wäre mein Wunsch! Dass mein Motiv nicht nur betrachtet, sondern weitergedacht wird. Dass es Menschen inspiriert, ihren eigenen Friedensruf zu finden.

Lars: Und genau dafür schaffen wir mit der FriedensDekade den Raum. Dieses Gespräch zeigt ja schon, wie ein Kunstwerk neue Gedankengänge öffnen kann…

Zum Weiterlesen:

Das Gewinnermotiv und Materialien: Friedensdekade.de

Sebastian Schmidts Portfolio: @sebidt2018 auf Instagram

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Atomwaffen verbieten, Frieden wecken – Die FriedensDekade 2025 und die Forderung nach Abrüstung

Friedensethik im Fokus: Eine Absage an die Spirale der Aufrüstung

Die Diskussion um Atomwaffen nimmt in der sicherheitspolitischen Debatte zunehmend Raum ein. Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat in ihrer aktuellen Pressemitteilung scharfe Kritik an der Selbstverständlichkeit geäußert, mit der Atomwaffen als Teil der europäischen Verteidigungspolitik betrachtet werden. Diese Haltung steht in direktem Gegensatz zu dem, wofür die FriedensDekade 2025 mit ihrem Motto „Komm den Frieden wecken“ eintritt: für eine Welt ohne atomare Bedrohung, für Abrüstung und gewaltfreie Konflikttransformation.

Frieden in unsicheren Zeiten fördern

Die Welt steht vor großen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Kriege, Konflikte und Aufrüstung bestimmen die Nachrichten. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, Räume für den Frieden zu schaffen – für Dialog, Verständigung und gemeinsames Handeln. Die Ökumenische FriedensDekade 2025 lädt unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ dazu ein, neue Wege des Friedens zu erkunden und ein deutliches Zeichen gegen Gewalt und Militarisierung zu setzen.

Atomwaffen – Ein Sicherheitsrisiko statt Schutz

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) mahnt in diesem Zusammenhang, dass die derzeitige sicherheitspolitische Debatte immer stärker von Abschreckung und Aufrüstung geprägt ist. Besonders problematisch ist die wachsende Selbstverständlichkeit, mit der Atomwaffen als Teil der Verteidigungspolitik gesehen werden. Die AGDF fordert eine klare Absage an diesen Kurs: Sicherheit entsteht nicht durch die Drohung mit Massenvernichtungswaffen, sondern durch Abrüstung, Diplomatie und Völkerverständigung (zur Original Pressemitteilung der AGDF).

Jan Gildemeister, Geschäftsführer der AGDF, betont: „Wir haben nicht zu wenig Atomwaffen in der Welt, wir haben zu viel.“ Gerade im Jahr 2025, in dem sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 80. Mal jähren, sollte die internationale Gemeinschaft neue Initiativen zur Abrüstung vorantreiben. Dies unterstreicht auch der Friedensverband, der eine intensive gesellschaftliche Debatte über nukleare Bedrohungen und die Verantwortung der Politik fordert.

Die Kirchen als Stimme für den Frieden

Auch die Kirchen fordern seit Jahrzehnten eine Welt ohne Atomwaffen. Schon die Friedensdenkschrift der EKD von 2007 stellte klar, dass die Drohung mit Atomwaffen ethisch nicht vertretbar ist. Historisch betrachtet engagiert sich die weltweite Ökumene bereits seit 1948 für eine klare Ablehnung nuklearer Waffen, indem sie deren Einsatz als „Sünde gegen Gott und eine Entwürdigung des Menschen“ bezeichnete. Gerade in diesem Jahr, in dem sich der 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki jährt, ist es wichtiger denn je, die Forderung nach nuklearer Abrüstung laut werden zu lassen.

Frieden aktiv gestalten – Zeichen setzen für eine bessere Zukunft

Die FriedensDekade ruft dazu auf, sich aktiv für eine friedlichere Welt einzusetzen. Dies kann in Form von Gebeten, Gottesdiensten, Bildungsangeboten, öffentlichen Veranstaltungen oder kreativen Aktionen geschehen. Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen sind eingeladen, ihre eigenen Impulse einzubringen und den Frieden in ihrem Alltag konkret werden zu lassen. Frieden beginnt nicht erst auf internationaler Ebene – er beginnt im Kleinen: im respektvollen Umgang miteinander, in der gewaltfreien Kommunikation und in der Bereitschaft, Konflikte ohne Waffen zu lösen. Der Friedensgedanke lebt von Beteiligung. Ob in der eigenen Gemeinde, bei öffentlichen Veranstaltungen oder im persönlichen Umfeld – jede und jeder kann einen Beitrag leisten, um den Frieden zu wecken.

Friedenssymbole als Zeichen der Hoffnung

Neben aktiven Initiativen helfen auch Symbole des Friedens, die Botschaft weiterzutragen. Produkte mit dem Zeichen Schwerter zu Pflugscharen, wie Aufnäher, Banner, Aufkleber oder Bierdeckel mit dem historischen Logo, sind eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Friedensbotschaft sichtbar zu machen. Sie können bei Gemeindefesten, Veranstaltungen oder im Alltag genutzt werden, um ein Statement zu setzen. hier gehts zum Shop

Weitere Informationen

Die AGDF hat eine umfassende Pressemitteilung zur aktuellen sicherheitspolitischen Lage veröffentlicht, die hier nachgelesen werden kann: Original-Pressemitteilung der AGDF.

Frieden aktiv gestalten – Impulse zur FriedensDekade 2025

Die FriedensDekade setzt sich mit ihrem Motto 2025 „Komm, den Frieden wecken“ genau mit diesen Fragen auseinander. Welche Impulse braucht es für eine friedlichere Zukunft? Auf unserer Website finden Sie dazu vielfältige Materialien, Impulstexte und Anregungen für die kirchliche und gesellschaftliche Friedensarbeit.

Jetzt entdecken: www.friedensdekade.de

„Frieden wecken – Ein Aufruf zum Handeln“ (von Jan Gildemeister)

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2025

Einleitung

Frieden ist kein Selbstläufer. Er braucht Menschen, die ihn schützen, stärken und gestalten. Das Motto der Ökumenischen FriedensDekade 2025, „Komm den Frieden wecken“, ruft dazu auf, nicht in Resignation zu verharren, sondern aktiv Verantwortung zu übernehmen – für ein gerechtes, friedliches Miteinander, vor Ort und weltweit.

Jan Gildemeister nimmt diesen Gedanken auf und stellt die drängende Frage: Warum engagieren sich so wenige für die dringend notwendigen Veränderungen? Was hält uns zurück? In seinem Impuls zeigt er auf, dass Frieden nicht nur eine politische Aufgabe ist, sondern auch von unserem persönlichen Handeln abhängt.


Komm den Frieden wecken ein Impuls von Jan Gildemeister

Die Aussage von Erich Fried „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt“ hat angesichts der vielen Krisen und Herausforderungen nicht an Bedeutung verloren: Klimakrise und Artensterben, mit militärischer Gewalt ausgetragene Konflikte, Ungerechtigkeit und Armut – die Liste ließe sich fortsetzen. Mir stellt sich die Frage, warum sich nur relativ wenige für dringend notwendige Veränderungen einsetzen. Wir erleben, dass viele nicht auf Gewohntes verzichten möchten, andere lieber „das Politische“ ausblenden oder sogar auf „Rezepte“ von gestern setzen: (neoliberales) Wirtschaftswachstum mit Kürzungen im sozialen Bereich, militärische Stärke, Nationalismus etc.

Wieder andere verharren in einer Zuschauer*in-Rolle, anstatt sich aktiv für eine bessere Welt einzusetzen. Wer hat nicht schon einen der folgenden Sätze in ähnlicher Form gehört oder selbst gedacht: Die weltweiten Krisen und Herausforderungen sind so groß, da kann ich ja sowieso nichts bewirken. Sollen doch die anderen ihr Verhalten ändern, die noch mehr CO2 verursachen. Wenn ich in diesem oder jenem Gespräch auf rassistische Äußerungen oder unökologisches Verhalten hinweise oder mich dagegen aktiv werde, mache ich mich nur unbeliebt, bekomme Ärger.

Hier setzt das Motto „Komm den Frieden wecken“ der Ökumenischen FriedensDekade an. Es soll auch diejenigen wachrütteln, die angesichts von Verzweiflung und erlebter Hilflosigkeit ermüdet sind. Es fordert auf, Verantwortung für seinen eigenen Lebensstil, sein (Nicht-)Handeln, für Andere und die (Um-)Welt zu übernehmen.

Das „Komm“ gilt nicht nur mir als Individuum, es wendet sich auch an Kirchengemeinden, Gruppen, Vereine, Gemeinschaften oder Kommunen. Wenn wir uns gemeinsam mit anderen engagieren, verlieren wir nicht Mut und Hoffnung, wir können uns gegenseitig stärken. Gemeinsam entwickeln wir größere Kraft und können mehr erreichen.

Wer bereit ist „den Frieden zu wecken“, hat noch nicht die Zuversicht verloren. Ja, es gibt Friedenspotentiale, die geweckt werden können! Eine Bekannte berichtete mir, dass sie sich zusammen mit einer Freundin in ihrem Dorf gegen rechtsradikale Aktivitäten engagiere. Neben dem wohl unvermeidlichen Hass stieß dies auf viel Zustimmung, andere haben sich der schnell wachsenden Initiative angeschlossen. Nun blicke sie optimistischer in die Zukunft. Dass dieses lokale Engagement zumeist auf fruchtbaren Boden trifft, lassen die Demonstrationen an sehr vielen Orten der Republik Anfang 2024 erwarten. Ähnliche Erfahrungen machten und machen Menschen, die sich für regenerative Energieträger oder für Geflüchtete und Bedürftige einsetzen. Viele Mitgliedsorganisationen der AGDF sind auch vor Ort aktiv: Sie erinnern an Gräuel des Nationalsozialismus, unterstützen zu uns Geflüchtete in deren Engagement, sorgen dafür, dass „ihr*e Bürgermeister*in“ sich (weiter) bei den Mayors for Peace[1] engagiert, begleiten konfliktreiche Prozesse wie den Bau einer Moschee oder koordinieren „Bündnisse gegen Rechts“. Vielfältig ist zudem ihr Friedensbildungsangebot. Wichtig ist ihnen, den Bogen zwischen den Problemen und Aktivitäten vor Ort und den weltweiten Zusammenhängen zu spannen.

Friedenspotentiale lassen sich vor Ort in Deutschland wecken, aber auch in Kooperation mit Partnern in anderen Ländern. Was beispielsweise als Initiative aus Deutschland zur Linderung von Not begann, geht über zu vielfältigen Projekten in gemeinsamer Verantwortung. So engagierte sich der Friedenskreis Halle angesichts der Folgen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien humanitär in Bosnien-Herzegowina (Jajce), daraus entstanden Projekte der Jugendbildung, die mittlerweile vom dortigen Partner eigenständig fortgeführt werden[2]. Neben Aktivitäten, die auf Probleme vor Ort reagieren, gibt es auch gemeinsame Programme von Partnerorganisationen verschiedener Länder, die Brücken schlagen und interkulturelles Lernen ermöglichen wie internationale Jugendbegegnungen, Workcamps und – so auch beim Friedenskreis Halle – Freiwilligendienste. Ein anderes Beispiel: Nach der katastrophalen AKW-Unglück 1986 in Tschernobyl wurde ein Ferienprogramm für Kinder aus Belarus gestartet, die Solidarität gilt heute den Menschen in dem autoritär regierten Land.

Diese Programme ermöglichen es jungen Menschen, einen konkreten Friedensdienst zu leisten in einem internationalen Workcamp oder durch ein Freiwilliges Internationales Jahr. Friedensfachkräfte unterstützen Projekte von Partnern über mehrere Jahre mit ihrer Expertise. Sie erleben konkret, wie Potentiale für mehr Gerechtigkeit und Frieden gehoben werden.

Die Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Initiativen sind begrenzt, umso wichtiger ist es, dass auch seitens der Politik Friedenspotentiale genutzt werden. Der Mainstream geht seit vielen Jahren Richtung Machtpolitik, Krieg und Androhung von Gewalt sowie Aufrüstung. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat dem in Europa einen Schub gegeben. Die Folgen dieser Politik sind fatal: Abgesehen von den vielen Opfern von Kriegen verursachen sie und bereits das Vorhalten von Militär einen immensen Ressourcenverbrauch, Umweltzerstörung und hohe CO2-Emissionen, fehlende Finanzmittel für Klimawandel, Soziales, Gesundheit, Armutsbekämpfung u.a.m. Die Gefahr einer Eskalation von (weiteren) Konflikten bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen steigt permanent. Damit einher geht eine Schwächung internationaler Institutionen und Verträge. Auch die EU, die sich als Friedensprojekt verstand, sieht ihre Aufgabe aktuell offenbar vor allem darin, die Aufrüstung ihrer Mitgliedsstaaten voran zu treiben. Diese sog. Sicherheitspolitik führt de facto zu immer größerer Unsicherheit.

Umso wichtiger ist es die politischen Prioritäten zu verändern. Initiativen für Waffenstillstände und Friedensverhandlungen nicht nur im Ukraine-Krieg sollten seitens Deutschlands und der EU nachdrücklich unterstützt bzw. vorangetrieben werden. Benötigt werden zudem Initiativen im Bereich der Rüstungskontrolle und Abrüstung, anstatt beispielsweise einer (bedingungslosen) Zustimmung zur Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland. Dem von sehr vielen Staaten ratifizierte Atomwaffenverbotsvertrag muss eine reale Chance zur weltweiten Umsetzung gegeben werden. Internationale Institutionen wie die Vereinten Nationen oder der Internationale Gerichtshof für Menschenrechte müssen gestärkt werden.

Es gibt ein großes Potential an Instrumenten, Krisen zu verhindern und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten zu fördern. Deutschland und vor allem die EU könnten hierzu einen beachtlichen Beitrag leisten, wenn sie sich auf die Bekämpfung der Ursachen von Krisen und Konflikten wie Ungerechtigkeit und Klimakrise konzentrieren und nicht versuchen würden, in dem aktuellen Machtspiel von USA, China, Indien und Russland mit den gleichen militärischen Mitteln mitzuspielen. Stattdessen gilt es u.a., Länder und Institutionen des globalen Südens als Partner zur Bewältigung der weltweiten Herausforderungen zu behandeln, Verständigung und Versöhnungsprozesse zwischen konkurrierenden oder befeindeten Staaten und Bündnissen zu befördern sowie internationale Institutionen und Friedensmissionen zu unterstützen. Zudem sollten verstärkt zivilgesellschaftliche Aktivitäten gefördert werden, die entsprechende Ziele verfolgen, beispielsweise am Zivilen Friedensdienst beteiligt sind.

80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung von dem Nationalsozialismus ist „Komm den Frieden wecken“ ein Aufruf an uns alle, als Individuum, Initiative, Organisation oder in politischer Verantwortung die Friedenspotentiale zu nutzen, die sich bieten. Dies ist nicht nur notwendig, es stärkt auch die Hoffnung, dass wir gemeinsam die großen Krisen und Herausforderungen bewältigen können, vor denen wir stehen – vor Ort und auch weltweit.

Jan Gildemeister


Werde aktiv – Wecke den Frieden!

Mit seinem Text macht Jan Gildemeister deutlich: Friedenspotentiale gibt es – wir müssen sie nur wecken. Gerade in Zeiten zunehmender Krisen und gesellschaftlicher Spaltung sind Mut, Solidarität und gemeinsames Handeln gefragt. „Komm den Frieden wecken“ ist mehr als ein Motto – es ist eine Einladung, sich einzubringen und Teil der Lösung zu sein. Denn Frieden beginnt da, wo Menschen ihn leben.

Der Weg zum Frieden beginnt auch bei uns selbst und in unseren Gemeinschaften. Setzen Sie sich weiter aktiv ein – dort, wo Sie gerade bist:

Organisiere Friedensaktionen – Friedensgebete, Schulprojekte, Mahnwachen oder kreative Initiativen. Jeder Beitrag inspiriert andere und macht einen Unterschied.

Nutze die Materialien der FriedensDekade – Plakate, Postkarten und Arbeitshefte helfen Ihnen, die Botschaft des Friedens zu verbreiten (zum Shop).

Engagieren sie sich in ihrer Gemeinde oder Nachbarschaft – Schaffen Sie Begegnungsräume, fördern Sie den Dialog und zeigen, dass Friedensarbeit Teil des Alltags ist.

Spende für den Frieden – Ihre Unterstützung ermöglicht es uns, Projekte umzusetzen, Materialien bereitzustellen und die Friedensbotschaft weiterzutragen. (jetzt Spenden)

Teilen Sie Ihre Aktionen mit uns! Verlinken Sie uns auf Instagram oder per E-Mail und zeigen sie, wie sie den Frieden wecken. Gemeinsam setzen wir ein starkes Zeichen für eine friedliche Zukunft!

Frieden braucht uns alle – jetzt mehr denn je.


AUTOR: Jan Gildemeister, ist Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Mayors_for_Peace

[2] https://www.friedenskreis-halle.de/infos-fuer-freiwillige/laender-und-einsatzstellen/cod-jajce.html

Frieden braucht mehr als Waffen

EKD-Friedensbeauftragter warnt vor einseitiger Aufrüstung

Die Europäische Union steht an einem Scheideweg: Während die geopolitische Lage immer angespannter wird, setzt die EU als Reaktion auf den anhaltenden Krieg in der Ukraine zunehmend auf militärische Lösungen. Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), warnt davor, den ursprünglichen friedenspolitischen Auftrag der EU aus den Augen zu verlieren.

„Die Europäische Union ist ein Friedensprojekt, sie hat den Friedensnobelpreis erhalten. Dies ist eine Verpflichtung, nicht nur militärisch zu handeln“, betont Kramer. Zwar sei die Besorgnis angesichts des russischen Angriffskrieges nachvollziehbar, dennoch dürften zivile Konfliktbearbeitung, diplomatische Verhandlungen und Gerechtigkeitsfragen nicht ins Hintertreffen geraten. Denn Frieden erfordert mehr als Waffen – er braucht soziale, ökologische und politische Gerechtigkeit.

Besonders kritisch sieht der EKD-Friedensbeauftragte die Konsequenzen einer einseitigen Militarisierung: „Mit der Fokussierung auf Aufrüstung besteht die Gefahr, dass Fragen der Klimagerechtigkeit und die Unterstützung von Menschen auf der Flucht vor Hunger und Gewalt dieser Militarisierung zum Opfer fallen.“ Kramer betont, dass das Recht nicht vom Stärkeren diktiert werden dürfe, sondern die Stärke des Rechts im Zentrum internationaler Politik stehen müsse. Mehr dazu in der vollständigen Stellungnahme:

Frieden aktiv gestalten – Impulse und Materialien zur FriedensDekade

Die FriedensDekade setzt sich mit ihrem Motto 2025 „Komm, den Frieden wecken“ genau mit diesen Fragen auseinander. Wie kann Frieden jenseits von militärischer Logik aktiv gestaltet werden? Welche Impulse braucht es für eine friedlichere Zukunft? Auf unserer Website finden Sie dazu vielfältige Materialien (hier gehts zum Shop), Impulstexte und Anregungen für die kirchliche und gesellschaftliche Friedensarbeit.

Jetzt entdecken: www.friedensdekade.de

Church and Peace verstärkt das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

Bonn, 10.03.2025 – Die Ökumenische FriedensDekade freut sich über ein weiteres starkes Mitglied: Church and Peace, das europäische Netzwerk der Friedenskirchen, verstärkt ab sofort die Arbeit der FriedensDekade. Mit diesem Beitritt erhält auch das Gesprächsforum eine neue Stimme: Miriam Meyer ist Teil der Gemeinschaft Refo Moabit und Mitglied von Church and Peace. Sie wird sich künftig aktiv in die inhaltlichen Diskussionen einbringen und die Friedensarbeit mit neuen Impulsen bereichern. Die aktuelle Stellungnahme von Church and Peace zum Thema Frieden braucht Gerechtigkeit finden Sie hier.  

„Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit Church and Peace und freuen uns besonders über die Mitwirkung von Miriam Meyer. Ihr Engagement für Gewaltfreiheit und Versöhnung ist eine wertvolle Bereicherung für unser Gesprächsforum“, so Jan Gildemeister, Vorstandsmitglied der Ökumenischen FriedensDekade.

Miriam Meyer hebt die Bedeutung der langjährigen Tradition der FriedensDekade hervor: Seit 45 Jahren setzt die FriedensDekade ein kraftvolles Zeichen für Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung. Ich freue mich darauf, diese wichtige Arbeit mitzugestalten und neue Impulse sowohl aus dem Bereich Community Building als auch aus der Tradition der Friedenskirchen einzubringen.

Die FriedensDekade 2025 steht unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ und findet wie jedes Jahr in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag, also vom 9. bis 19. November 2025, statt. In diesem Zeitraum engagieren sich zahlreiche Gemeinden, Gruppen und Organisationen mit Gottesdiensten, Diskussionen und kreativen Aktionen für Frieden und Gerechtigkeit. Durch die Mitwirkung von Church and Peace wird die ökumenische Perspektive auf gewaltfreie Konfliktlösung und Friedensförderung weiter gestärkt.

Ein erster öffentlicher Austausch zur kommenden FriedensDekade ist bereits für den Evangelischen Kirchentag 2025 in Hannover (30. April – 4. Mai 2025) geplant. Dort wird die FriedensDekade mit einem Stand und verschiedenen Veranstaltungen vertreten sein.

Die persönliche Begrüßung von Miriam Meyer im Gesprächsforum wird zwar noch etwas auf sich warten lassen, doch die Vorfreude auf den Austausch ist groß. Die Ökumenische FriedensDekade heißt Church and Peace und Miriam Meyer herzlich willkommen! 

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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24 999 -13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
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