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Autor: Thomas Oelerich

Hoffnung im Glauben, dem Heiligen Geist vertrauen (von Julia Hahn)

(Aus der diesjährigen FriedensZeitung ein Gedankenanstoß zur Bibelstelle „Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen“ (Heb. 10,24)

Aufeinander achten, einander lieben, gute Taten tun, zusammenhalten. Häufig klingen diese Handlungen und Haltungen so simpel und doch merken wir immer wieder wie schwer sie sind. Manchmal fehlt das Verständnis für die Haltungen anderer. Daraus kann Frustration entstehen. Wie soll ich verstehen, dass Menschen Essen wegschmeißen und andere dafür anklagen, wenn diese das als „Müll“ deklarierte Essen noch verwerten? Wie soll es mir gelingen, Menschen zu verstehen, die pro Militarisierung sind, wenn meine eigene Überzeugung ist, dass Frieden ohne Waffen geschaffen werden kann? Wie kann ich es überhaupt aushalten, dass Menschen Kriege beginnen statt den Frieden zu suchen und als Lebewesen zusammenzuhalten und nach einer Welt zu streben, die für alle lebenswert ist? Die Hoffnung kann da der Glaube sein. Es kann der Heilige Geist sein, dem ich vertraue, in mir, für andere und in anderen zu wirken. Der Heilige Geist kann die Kraftquelle sein, aus der ich schöpfe, um der Gerechtigkeit nachzugehen. Das klingt schnell so groß, aber es kann klein anfangen. Es fängt bei mir und meinem unmittelbaren Nächsten an, wenn ich sie/ihn in den Blick nehme, wahrnehme, wertschätze, ihn/sie anspreche ohne zu verletzen. Wenn ich ihr/ihm zuhöre und Raum gebe, statt mich selbst groß zu machen und darüber zu stellen. Es fängt dabei an, dass ich mir meine Vorstellungen vom Leben für alle nicht nehmen lasse, mich nicht entmutigen lasse, sondern voller Tatendrang und erfüllt vom Heiligen Geist in der Nachfolge Jesu lebe und handle. Es heißt, mit mir, anderen Menschen und Lebewesen und der ganzen Schöpfung liebevoll umzugehen.

JULIA HAHN, Referentin für Politik und Gesellschaft in der Katholischen Hochschulgemeinde Münster, Mitglied im Redaktionsteam der Ökumenischen FriedensDekade

„Widerstand! Gegen eine Wirtschaft die tötet“ (von Jörg Alt, Friedensbote der Ökumenischen FriedensDekade)

(Aus der diesjährigen FriedensZeitung der Ökumenischen FriedensDekade)

Wir leben in einer Zeit, in welcher der Mensch zur prägenden Gestaltungskraft der Erde geworden ist, dem Anthropozän. Aus vielen Gründen führte dies dazu, dass eine von Maßlosigkeit und Gier getriebene Wirtschafts- und Gesellschaftsform gerade dabei ist, das Überleben alles Lebens zu gefährden. Und statt entschieden gegenzusteuern folgen Gesellschaft und Politik dem Weiter-So. Die Wissenschaft warnt: Wir haben noch ca. zehn Jahre Zeit, um ein unaufhaltsames Abgleiten in eine drei Grad heißere Welt zu verhindern, eine Welt, die von Massenflucht, Verteilungskämpfen, Hunger und Tod geprägt sein würde.

Was heißt unter diesen Voraussetzungen: Einsatz für den Frieden? Indem man jetzt alles tut, um zu vermeiden, dass es überhaupt erst so weit kommt. Und, da in den letzten Jahrzehnten etablierte Protestformen wie Demonstrationen, Petitionen, Diskussionen… nicht geholfen haben, als letztes Mittel Zivilen Ungehorsam oder Zivilen Widerstand praktiziert. Beides sind Elemente, die den gesellschaftlichen Frieden stören. Sie provozieren und zwingen Gesellschaft und Politik, Probleme zur Kenntnis zu nehmen. Wenn ich Essen aus einem Mülleimer rette, dafür aber ein Strafverfahren wegen „besonders schwerem Diebstahl“ bekomme, zeigt dies unübersehbar einen Missstand auf: Lebensmittel sind Müll, aber Eigentumsrechte sind heilig!

Mit solch konfrontativen Mitteln haben wir vielleicht noch eine Chance, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Auf dass auch kommende Generationen noch eine Chance haben, echten Frieden auf dieser Erde erleben zu können.

Der Jesuit Jörg Alt ist 1961 in Saarbrücken geboren. Er arbeitet als Hochschulseelsorger in Nürnberg. Fünf Monate wurde gegen ihn ermittelt, als er beim „Lebensmittel retten“ erwischt wurde. Sein Buch heißt: „Widerstand! Gegen eine Wirtschaft die tötet“.

Mein Mutterland magst mutig sein (von Berthold Keunecke, Herford)

Zusammen:Halt! Ich wünsche mir, dass wir zusammenhalten und die Kurve kriegen, damit wir alle, unsere Kinder und unsere Älteren in unserem Mutterland sicher leben können.

Mein Mutterland überblicke ich, wenn ich auf den Eggeberg steige: Da sehe ich den Teutoburger und das Wiehengebirge bis zur Porta Westfalica. Ich sehe die Schlote der Müllverbrennungsanlage in Heepen, wo ich aufgewachsen bin,  ich sehe die Kirchtürme der Region, manche von ihnen mit guten Erinnerungen verbunden – und ich sehe viele Äcker und Felder und auch Windräder und Fabriken, die anzeigen, dass hier in meinem Mutterland für das Nötigste gesorgt werden kann.

In meinem Mutterland bin ich verwurzelt, hier möchte ich bleiben, hier sollen die Menschen sicher wohnen können. Hier sollen keine Bomben fallen, die Fabriken, Wohn- und Krankenhäuser zerstören, von hier sollen keine Mütter fliehen müssen, während ihre Männer bleiben und versuchen, andere, angreifende Männer zu töten. Doch ich glaube nicht, dass mich Luftabwehrraketen schützen können, oder Panzer, die selbst zu Angriffszielen werden. Ich glaube auch nicht an die Sicherheit durch Abschreckung, mit milliardenschweren Rüstungsausgaben aufgebaut, an die Abschreckung, die historisch fast nie funktioniert hat – auch in unserem Land hat erst die Entspannungspolitik zur Abrüstung und zum Ende des 1. Kalten Krieges geführt. Denn die Befehlshaber der Militärs denken in Kategorien der Macht, und zerstören dabei so leicht, was wir in unserem Mutterland brauchen. Durch Drohung  mit Atombomben ist ein typischer Irrweg.

Damit wir in unserem Mutterland sicher leben können, brauchen wir Eigeninitiative und strukturelle Resilienz (das heißt, die Widerstandsfähigkeit, um auch bei schweren Störungen als Gemeinschaft bestehen zu können). Darum will ich mich dafür einsetzen:

* Dass wir uns in unserem Mutterland aufeinander verlassen können, dass wir zusammenhalten trotz aller Vielfalt der hier gelebten Kulturen, weil auch die Minderheiten und am Rand der Gesellschaft stehenden sich in unserem Mutterland wohl und zugehörig fühlen.

* Dass wir uns einüben in die Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung und von gewaltfreien Widerstandsformen – angefangen von den Nachbarschaftskonflikten und der Streitschlichtung an Schulen bis hin zum Interessenausgleich auf politischer Ebene und Durchsetzungsfähigkeit mit gewaltfreiem Druck.

* Dass wir globale Entwicklungen wahrnehmen und vor Ort darauf reagieren können, wo es nötig ist, und dass wir dafür das Wissen verschiedener Menschen nutzen können, die es in einen gemeinsamen politischen Entscheidungsprozess einbringen können. Die Kreistage sollten dafür politisch gestärkt werden und für die Meinungsbildung Arbeitsgruppen mit Delegierten verschiedener Gruppen in der Bevölkerung vor Ort und überregional einbeziehen. Die Finanzierung dieser Arbeit muss gewährleistet werden – dazu sind Steuern nötig, die vor Ort erbracht werden, wie die Grundsteuer und die Gewerbesteuer.

* Dass wir uns im Mutterland weitgehend selbst versorgen können, dass wir im wirtschaftlichen Austausch mit anderen Regionen der Nachbarschaft und in der ganzen Welt stehen, aber in Katastrophenzeiten doch fast alles Lebenswichtige vor Ort haben – Ernährung, Energie, Gesundheitssystem und so weiter bis hin zur Möglichkeit, bei Geldentwertung noch einkaufen zu können.

Ich möchte Sicherheit für mein Mutterland, vor Katastrophen des Ökosystems, der Wirtschaft und der Politik – vor Wirtschaftskatastrophen wie auch vor illegaler Herrschaft, sei es durch Putsch in Berlin, durch Einmarsch einer fremden Macht oder ähnlichen aggressiven Umwälzungen. Ich wünsche mir, dass wir in meinem Mutterland in allen Krisen zusammenhalten.

 

Berthold Keunecke (Tel. 05221- 14 35 692   – b.keunecke@web.de) ist Vertreter des Internationalen Versöhungsbundes Deutschland im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

„Schwerter zu Pflugscharen“ – Mit Nachdruck

Wir laden Sie herzlich ein, sich an dem Projekt „Schwerter zu Pflugscharen – Mit Nachdruck“ zu beteiligen, das von den Kirchengemeinden Buckow und Glienicke initiiert wurde. Machen Sie dieses Projekt auch zu Ihrem Anliegen. In Kooperation mit der Ökumenischen FriedensDekade bringen wir den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ mit Nachdruck unter die Menschen, um eine friedliche Lösung des Konflikts um die Ukraine einzufordern. „Denn Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ (Vollversammlung des ÖRK 1948).

Unser Angebot – Machen Sie mit!
Das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ hat in der öffentlichen Diskussion um die „Nachrüstung“ und die Militarisierung der Gesellschaft bereits in der Vergangenheit eine nicht kontrollierbare, eigenständige Wirkung entfaltet. Es hat Menschen motiviert und geschult, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Es hat so dazu beigetragen, eine Gesellschaft friedlich zu verändern.

Wir sind noch lange nicht am Ziel unserer Hoffnungen.
Krieg ist, Gerechtigkeit und Wahrheit werden mit Füßen getreten und die Schöpfung wird zerstört. So dürfen wir unseren Kindern die uns anvertraute Welt nicht übergeben!

Was können Sie tun?
Machen wir uns sichtbar als Verbündete der Hoffnung und stellen uns denen zur Seite, die mutig fragen, suchen und zweifeln und nicht auf Gewalt und Militarisierung setzen! Verbreiten Sie den Aufnäher in Ihrem Umfeld. Nehmen wir uns selber in die Pflicht! Diese Welt ist eine veränderbare und wir sind es auch.

Bestellungen auf www.friedensdekade.de

Bösartige Fallen (von Peter Herrfurth, Magdeburg)

Anastasia hat zuhause in der Ukraine englische Sprache studiert, ihr Plan: Lehrerin werden. Doch dann kam alles ganz anders. Anastasia lernt jetzt als Freiwillige Minen suchen und entschärfen. Mit Helm und blauem
Schutzanzug trainiert sie in einem Ausbildungslager im Kosovo. Vorsichtig führt sie die Sonde des Metalldetektors über das Gras. Hier war in den 1990er Jahren Krieg. Bis heute gibt es vermintes Gelände. Felder, Wiesen, Wälder, die man nicht betreten darf. Lebensgefahr! Versteckt im Boden lauern die bösartigen Fallen auf Opfer. Bei leichter Erschütterung explodieren sie.
Anastasia ist nicht allein. Sie sind acht Frauen aus der Ukraine zusammen mit einem Ausbilder. Sie hat gelernt, dass weltweit etwa 80% der Verletzten oder durch Minen Getöteten Zivilisten sind, die Hälfte davon Kinder. Sie verlieren Füße, Beine, das Leben. Es piept! Der Detektor hat angeschlagen. Schweiß tritt Anastasia auf die Stirn. Vorsichtig legt sie die Mine frei und entschärft sie. Der Ausbilder klopft ihr anerkennend auf die Schulter. Eine Mine weniger, die Menschen erwischen kann auf der Flucht oder bei der Heimkehr in die Heimat, wenn der Krieg eigentlich schon vorbei ist. Jetzt wird kein Kind beim Spielen mehr darauf treten.
Minen liegen auch zuhause in der Ukraine. Anastasia ist wütend. Wie können Menschen nur so etwas Furchtbares tun?! „Du sollst nicht töten!“ heißt es doch in der Bibel. Sie wischt sich den Schweiß ab und klappt das Visier wieder runter. Dann greift sie nach dem Detektor und macht weiter.
Es sind nicht die Minen, die töten – es sind Regierungen, die sie benutzen.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg, Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

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